Arbeitslosigkeit steigt – und damit der Hunger Speller Pastor Heinz Kulüke benötigt auf den Philippinen verstärkt Lebensmittel und Medikamente

 SPELLE/CEBU Viele Menschen in Cebu auf den Philippinen leben in großer Armut. Ihnen hilft seit Jahren der aus Spelle stammende Pater Heinz Kulüke. Die Corona-Pandemie verstärkt die Probleme, jede Hilfe ist willkommen. Wie die von Werner Greß, der mit dem Rad Deutschland umrundete und dabei 7000 Euro sammelte.

„So 4000 bis 5000 Kilometer werden es gewesen sein.“ So genau weiß Werner Greß gar nicht, wie viele Kilometer er vom 6. Juni bis zum 15. August geradelt ist. Denn auf die Gesamtstrecke kam es dem sportlichen 59-Jährigen gar nicht an. Er wollte einfach eine längere Tour mit dem Rad unternehmen, Zeit zum Nachdenken haben, etwas erleben – und am Schluss Geld für soziale Projekte spenden.

Denn Greß engagiert sich im Eine-Welt-Projekt in Hopsten. Dieser Verein unterstützt seit 2015 Aufbau und Betrieb einer Massai-Schule in Tansania und die Projekte des aus dem Nachbarort Spelle stammenden Paters Heinz Kulüke in Cebu City auf den Philippinen. „70 war da für mich eine besondere Zahl. Denn mit 70 Euro kann man auf den Philippinen einem Kind ein Jahr lang den Besuch einer Schule und in Tansania ein Jahr lang die Schulverpflegung finanzieren“, erklärt Greß in einem Gespräch mit unserer Redaktion.

70 Tage unterwegs – 70 Euro pro Tag

Und so lautete im Sommer 2020 sein Motto „70 mal 70“. Was bedeutet, dass er 70 Tage unterwegs sein wollte und täglich 70 Euro für Verpflegung und Unterkunft einplante. Jeder eingesparte Euro sollte anschließend gespendet werden. Und sparen lässt sich besonders gut, wenn er unterwegs bei Freunden, Bekannten oder Bekannten von Bekannten übernachten konnte oder zum Essen eingeladen wurde. Dafür nutzte Peter Junk vom Eine-Welt-Projekt seine Kontakte und schickte eine Rundmail an rund 300 ihm bekannte Musiker. Es dauerte nicht lange und die ersten Einladungen trudelten ein. 

Am 6. Juni startete Greß in Hopsten schließlich mit vollgepackten Taschen in Richtung Ostfriesland zu seiner Deutschlandtour. Die Nord- und Ostseeküste sowie die Grenzregionen zu Dänemark, Polen, Tschechien, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Luxemburg, Belgien und den Niederlanden kennt er nun. „Überall habe ich nette Menschen getroffen, bin mit vielen schnell ins Gespräch gekommen und viele haben mich auch spontan eingeladen oder Geld gespendet“, berichtet Greß.

Parallel informierte er er Freunde und Familie auch über eine Whatsapp-Gruppe und auch seine Heimatzeitung berichtete mehrfach über seine Tour. „Viele haben sich bei uns gemeldet und zusätzlich Geld gespendet“, ergänzt Junk. Keine Panne und kein Unfall hielt Werner Greß auf. Und so stand am Schluss der Tour fest, dass er rund die Hälfte seine 4900-Euro-Budgets gar nicht gebracht hatte und spenden konnte. Mit den weiteren eingegangenen Summen stehen nun jeweils 3500 Euro für die Projekte in Tansania und auf den Philippinen zur Verfügung.

Da die Mitglieder des Eine-Welt-Projektes in ihrem Laden in Hopsten aber auch fair gehandelte Waren aus Tansania und den Philippinen verkaufen und in mittlerweile 1000 auch im Emsland aufgestellten Sammelbehältern Kronkorken sammeln und verkaufen, beträgt die nun übergebene Spendensumme für den Speller Aktionskreis Pater Kulüke (AKPK) runde 10.000 Euro.

„Situation ist dramatisch“

Geld, welches der Aktionskreis sofort an Pater Kulüke weiterleiten wird. „Denn die Situation vor Ort ist aufgrund der Corona-Pandemie dramatisch. Viele Menschen, die in Cebu in den Slums, auf den Mülldeponien oder einfach auf der Straße leben, haben ihre Tagelöhner-Jobs verloren oder dürfen ihre Hütten gar nicht mehr verlassen. Sie hungern und bekommen keine medizinische Versorgung mehr“, berichtet die Vorsitzende des Aktionskreises, Elsbeth Garmann.

So versorgten Pater Kulüke und seine Mitstreiter von März bis Ende August in ihren Projektgebieten 25.000 bis 30.000 Menschen mit Reis, Nudeln und Trockenfisch sowie Medikamenten. „Es ist einfach traurig, wie schnell die Armen ohne Absicherungen und Hilfe von Außen in absolute Not geraten können. Hunger war und ist für viele Menschen eine knallharte Wirklichkeit. Die wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen des bereits sechs Monate anhaltenden Lockdowns sind fatal“, berichtet Kulüke in seinem jüngsten Schreiben an den Aktionskreis.

Nun bereitet Kulüke sich mit seinen Steyler Missionaren durch die Einlagerung von Reis auf die zweite Corona-Welle vor. Allein für die ärmsten 2000 Familien werden dafür wöchentlich Lebensmittel im Wert von 20.000 Euro benötigt. Kulüke: „Wie viele Wochen diese Verteilung nötig sein wird, kann derzeit keiner voraussagen. Dass das aber nicht über viele Monate wie bei der ersten Welle möglich sein wird, ist offensichtlich.“

In einer persönlichen E-Mail bedankte sich Kulüke daher für das Engagement von Werner Greß, dem Eine-Welt-Projekt in Hopsten und dem nach ihm benannten Aktionskreis mit seinen mittlerweile 127 Mitgliedern: „Herzlichen Dank nochmals, auch im Namen der uns hier vor Ort anvertrauten Menschen, für all die so wichtige Hilfe und großzügige Solidarität.“

Masken nähen für den Aktionskreis

So hat der Aktionskreis vor vier Wochen 35.000 Euro für die akutesten Hilfsprojekte in Cebu überwiesen, weitere 30.000 Euro sollen in dieser Woche überwiesen werden. Darunter ist auch das Geld, welches bislang beim Verkauf von Schutzmasken im Floristikgeschäft Gießkännchen eingenommen worden ist – zwei Frauen aus Spelle nähen in Eigeninitiative diese Masken.

AKPK-Kalender wird auch 2020 erscheinen

Und auch im Emsland führt die Corona-Pandemie dazu, dass viele Benefiz-Veranstaltungen zugunsten der Hilfsprojekte auf den Philippinen derzeit nicht stattfinden können. „Unser jährlicher Kalender wird aber auch in diesem Jahr erscheinen. Erstmals als Fotofamilienkalender, der in Zusammenarbeit mit dem Jugendzentrum entstanden ist“, berichtet Ansgar Renemann vom Aktionskreis.

Nähere Infos unter akpk.de, per E-Mail an info@akpk.de sowie bei der Vorsitzenden Elsbeth Garmann unter Tel. 05977 929184.

Bericht: Von Carsten van Bevern   Fotos:AKPK

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