Archäologische Funde vom Marktplatz in Rheine im Falkenhof Museum

Rheine – Das Falkenhof Museum Rheine zeigt erstmals Funde der archäologisch begleiteten Kanalsanierung des Marktplatzes in Rheine in einer großen Sondervitrine. Anlässlich der Eröffnung am Donnerstag, den 23. Mai um 19 Uhr durch Udo Bonk (Stellv. Bürgermeister) und Dr. Mechthild Beilmann-Schöner (Museumsleiterin) dürfen sich die Besucher auf zwei Vorträge freuen.

Martin Forstmann (Technische Betriebe Rheine) spricht über die Archäologie aus Sicht des Tiefbaues. Er hat als Fachbereichsleiter Planung und Bau die Bauarbeiten und die Belange der Archäologie koordiniert. Dr. des. Andreas Wunschel (LWL-Archäologie für Westfalen) und Christian Golüke M.A. (Archäologie am Hellweg eG) nehmen die Besucher mit auf eine Reise durch die Geschichte des Marktplatzes von der Moderne bis in die Steinzeit. Alle Interessierten sind hierzu herzlich eingeladen.

Der Marktplatz in Rheine steht seit 1993 als eingetragenes Bodendenkmal unter besonderem Schutz. Ein Vorgängerbau der Kirche St. Dionysius stand bereits im frühen Mittelalter in direkter Nachbarschaft, das Marktplatzareal gehört also zur Keimzelle der Stadt.

Historische Pläne, alte Fotos und Zeichnungen geben uns Auskunft über das Erscheinungsbild des Marktplatzes, allerdings erst ab der Neuzeit. Sie zeigen eindrucksvoll, wie viele der darauf sichtbaren Gebäude heute im Stadtbild fehlen. Selbst das erste Rathaus der Stadt, zwischen Kirche und Markt gelegen, wurde 1899 zur Platzerweiterung abgerissen.  

Die Sanierung des Marktplatzes im Zuge des „Rahmenplanes Innenstadt“ bietet seit 2018 durch verschiedene Bauarbeiten Gelegenheit, die unter der Erde konservierte Geschichte des Stadtzentrums wiederzuentdecken. Den gesetzlichen Vorgaben entsprechend müssen alle historisch relevanten Spuren vor der endgültigen Zerstörung durch die Baggerschaufel sorgfältig archäologisch dokumentiert werden. So wurden für kurze Zeit mittelalterliche und neuzeitliche Grundmauern sowie die frühesten Marktoberflächen und vorgeschichtliche Gruben wieder sichtbar und belegen die facettenreiche Geschichte dieses historischen Platzes.

Ein besonderes Interesse galt den Grundmauern des alten Rathauses, dessen Ursprünge bis ins späte Mittelalter zurückreichen. An anderen Stellen gaben zahlreiche übereinanderliegende Bodenschichten einen faszinierenden Einblick in die Nutzung der natürlichen Geländeanhöhe als Siedlungs-,  Handwerks- und Marktplatz. Sie reichen mehr als 5000 Jahre zurück bis in die Steinzeit und lassen sich nicht über Schriftquellen, sondern nur archäologisch erforschen. Die zahlreich geborgenen Funde sind wichtige Zeugnisse des damaligen Geschehens. Keramikscherben und Feuersteinartefakte zeigen, dass der heutige Marktplatz schon sehr früh ein beliebter Siedlungsplatz war. Aus dem frühen Mittelalter stammt ein ganz besonderer Fund: Ein vergoldeter, ehemals an einem Lederriemen befestigter Beschlag mit der Darstellung zweier Fische.

Die baubedingten archäologischen Untersuchungen auf dem Marktplatz in Rheine und den angrenzenden Straßenabschnitten unter der Leitung der LWL- Archäologie für Westfalen dauern noch an und man darf gespannt sein, was der Untergrund noch preisgibt. Dabei wird weiterhin großer Wert darauf gelegt, durch die optimale Abstimmung von Bauarbeiten und archäologischer Dokumentation die Baumaßnahme nach Möglichkeit ohne Verzögerung fertigzustellen.

Die Vitrinenpräsentation der archäologischen Funde ist zu den folgenden Öffnungszeiten des Falkenhof Museums zu besichtigen: Di – Sa 14 – 18 Uhr und So 10 – 18 Uhr.

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