Berufswunsch und Stellenangebot stimmen oft nicht überein

Meppen. Mit einem Rückblick begann die Sitzung der Berufsausbildungskommission im Meppener Kreishaus am vergangenen Freitag. Martin Gerenkamp, Erster Kreisrat des Landkreises Emsland, wies darauf hin, dass Ende 2015 insgesamt 25 unversorgte Jugendliche 888 offene Stellen gegenüber gestanden hätten. „Rein theoretisch hätte jeder Ausbildungsplatzbewerber aus diesem Personenkreis einen Ausbildungsplatz finden können“, betonte Gerenkamp. Diese Tendenz zeichne sich auch in diesem Jahr ab, so Gerenkamp weiter. 

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Hatten bei der Erstbefragung im März dieses Jahres bereits zu diesem frühen Zeitpunkt 1334 (54,40 %) von den ausbildungswilligen 2452 Schulabgängern einen Ausbildungsplatz, so verfügten zum Stichtag der Zweitbefragung im Juni bereits 2160 (88 %) der Abgänger über eine sichere Lehrstelle. Lediglich 292 Jugendliche meldeten sich als unversorgt. „Das entspricht einem Rückgang der Unversorgten im Vergleich zur Erstbefragung von 826 Jugendlichen“, führt Gerenkamp aus. Insgesamt 7111 der insgesamt 7560 Schulabgänger im Emsland waren befragt worden.

Dennoch sei es den 973 unversorgten Jugendlichen schon im März theoretisch möglich gewesen einen Ausbildungsplatz zu finden, so Gerenkamp. Die Agentur für Arbeit hatte Ende April 2091 offene Stellen gemeldet. Auch bei der Zweitbefragung standen die 292 Ausbildungsplatzsuchenden insgesamt 1732 unbesetzten Ausbildungsstellen gegenüber. Allein der Berufswunsch der Jugendlichen und das Stellenangebot stimmen nicht überein: „Insbesondere im gewerblichen/technischen und kaufmännischen/Verwaltungs-Bereich gibt es deutliche Stellenüberhänge, gefolgt von den Bereichen Agrar/Garten Floristik sowie Ernährung. Von 2011 bis heute haben sich die offenen Stellen um 83% erhöht“, hält Gerenkamp fest. Besonders schwierig Ausbildungsberufe zu vermitteln, sei es u. a. im Bereich Elektroniker/in Energie- und Gebäudetechnik, Friseure, Kaufmann/-frau im Einzelhandel und Metallbauer/in Konstruktionstechnik.

Die meisten unversorgten Schulabgänger wurden wie in den Vorjahren im nördlichen Kreisgebiet gezählt. „Die vorliegenden Zahlen unterstreichen das bekannte Nord-Süd-Gefälle“, sagt Gerenkamp. Während im Nordkreis insgesamt 126 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz sind, befinden sich im mittleren Kreisgebiet noch 113 Jugendliche auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz und im Südkreis lediglich 53 Jugendliche.

„Im Zeitraum von 2011 bis 2016 haben sich die Zahlen der unversorgten Jugendlichen – abgesehen vom Jahr 2013 – stetig um rund 40 Prozent von über 410 auf heute 292 Jugendliche verringert“, sagt Gerenkamp. „Wir müssen gemeinsam mit den Agenturen für Arbeit, dem Handwerk, der IHK und den BBS-Schulleitern überlegen, ob möglicherweise mittels entsprechender Berufsorientierung die Nachfrage nach Ausbildungsplatzstellen gemäß des vorhandenen Angebots zu lenken wäre oder welche anderen Maßnahmen in Frage kommen“, so Gerenkamp. Insbesondere in den Gymnasien sollte die Berufsinformation verstärkt werden. Hier fehle das Wissen darum, welche Karrierechancen und Verdienstmöglichkeiten eine Ausbildung biete.

Die dritte Sitzung im September soll der Berufsausbildungskommission mit den dann vorliegenden Ergebnissen der Drittbefragung ein abschließendes Bild von der Lage auf dem Ausbildungsstellenmarkt in 2016 vermitteln.

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