CDU Ortsvorstand informiert sich über „Nest Born“

Spelle- Seit einigen Jahren wird das noch recht neue Verfahren „Nest Born“, ein System für „Schlupf im Stall“, für Masthähnchen in den Niederlanden und weiteren europäischen Ländern praktiziert. In Deutschland ist dieses Verfahren noch nicht so weit verbreitet. Über dieses Verfahren informierte sich der CDU Ortsvorstand beim Landwirt Ludger Schröer aus Spelle.

Sowohl die Landwirtschaft als auch die Gesellschaft möchten das Tierwohl fördern. Aus diesem Grund wird nach neuen Verfahren gesucht, die zum Schutz der Tiere beitragen können und  gleichzeitig nicht zu unverhältnismäßig hohen wirtschaftlichen Einbußen führen. Im Jahr 2016 machte sich die belgische Firma HFHC (Rechteinhaber von  Nest Born) deshalb daran, Tierwohl von „Anfang her“ zu denken. Als einer der ersten Hähnchenmäster der Region bekommt Schröer nun eine Eilieferung anstatt lebende Küken. Die Eiablage übernimmt beim Verfahren Nest Born der Lege-Roboter. Das Bestücken der Maschine mit den bebrüteten Eiern übernimmt der Landwirt vor Ort. „Wir reduzieren den Stress der Tiere signifikant und fördern dadurch die Gesundheit“, betonte Schröer.

Bei einer Begehung der Hofstelle wurde den Christdemokraten das Verfahren von Anton de Jong von der niederländischen Brüterei van Hulst vorgestellt. „Die Eier werden am 18. Bruttag angeliefert und innerhalb von drei Tagen schlüpfen dann alle Küken“, so der Experte. Bei etwa 1% bis maximal 2% der Eier erfolgt kein Schlupf. „Diese Eier sammele ich dann per Hand ein und entsorge sie“, erläuterte Schröer. Ein weiterer Vorteil des Verfahrens ist, dass die Küken direkt nach dem Schlüpfen handelsübliches Starterfutter, Wasser und Licht finden, sodass  ihr Energiebedarf sofort gedeckt und die Darmentwicklung angeregt wird. Zudem müsse der Landwirt durch dieses neue Verfahren keine Antibiotika einsetzen und die Futterverwertung verbessert sich.

„Der heutige Besuch hat gezeigt, dass die Landwirtschaft sich weiterentwickeln und neue Wege gehen möchte, um das Tierwohl zu steigern“, so der CDU Ortsvorsitzende Ludger Kampel. „Eine allgemeine Verteufelung der Landwirtschaft sei nicht angebracht, da viele Landwirte versuchen ihre Höfe umzustellen und diese zukunftsfähig aufzustellen“, so der stellvertretende Ortsvorsitzende Jonas Roosmann. Abschließend bedankten sich die Christdemokraten für die spannenden Informationen und den Mut für die Umstellung des Betriebes auf das Verfahren „Nestborn“.

Hintergrundinformation:

Im Jahr 2016 entwickelte die Firma HFHC das System „NestBorn“ für den Kükenschlupf direkt im Stall. Heute liefern unter der Lizenz von HFHC verschiedene Brütereien nach Deutschland, England, Frankreich, Belgien  und in die Niederlande.
Wöchentlich werden heute bis zu  2.000.000 Eier ausgeliefert – mit steigender Tendenz.

Wenn Eier mit NestBorn statt Eintagsküken angeliefert werden, sind große Vorbereitungen nicht notwendig.

Zuerst wird wie üblich der Stall nach jedem Durchgang gründlich desinfiziert, damit keine Bakterien in den Stall geraten.

Dann müssen lediglich zwei Bahnen Holzspäne vorbereitet werden, in denen der Lege-Roboter bis zu 60.000 Eier pro Stunde ablegt. Spezielle Desinfektionsdüsen säubern die profillosen Reifen des Lege-Roboters vor und nach dem Eiablegen im Stall. Des Weiteren muss der Stall auf ca. 34 Grad Celsius und die Bodenplatte auf ca. 28 Grad vorgeheizt werden. Zur Überwachung von Eitemperatur, Luftfeuchtigkeit, Stalltemperatur und Kohlendioxidgehalt der Stallluft werden in regelmäßigen Abständen je vier Eier mit einer drahtlos arbeitenden Ovoscan (Sensor-Schale) ausgestattet, sodass der Landwirt die Werte jederzeit auf dem Smartphone abrufen kann. So können mögliche Störungen schnellstmöglich behoben werden. Die Schalentemperatur der Eier sollte möglichst 36 – 37 Grad Celsius betragen. Das „Schlupf im Stall“-Verfahren fördert das Tierwohl und vermeidet einen Transportstress für die Küken, was zu gesünderen Küken während des ganzen Durchgangs führt. Gut begonnen ist halb gewonnen!

 

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