Emslandmuseum zeigt Kriegserinnerungen

Ab dem kommenden Sonntag (23.2.) zeigt das Lingener Museum eine Sonderausstellung über den Ersten Weltkrieg aus regionaler Perspektive. Fotos und Erinnerungsstücke sowie Nachlässe von Kriegsteilnehmern und Zeitzeugen dokumentieren, wie Menschen aus Lingen, dem Emsland und der Grafschaft Bentheim den Ersten Weltkrieg an der Front und in der Heimat erlebt haben. Zur öffentlichen Ausstellungseröffnung am Sonntag (23.2.) um 16:00 Uhr präsentieren die Museumsmitarbeiter Hintergründiges und zum Teil Skuriles von der Heimatfront eines Krieges, den viele längst vergessen hatten.

Immer wieder gelangten in den vergangenen Jahrzehnten Dokumente und Erinnerungsstücke aus dem Ersten Weltkrieg in die Museumssammlung. Vieles stammt aus Nachlässen von Kriegsteilnehmern, anderes hat Dr. Andreas Eiynck bei Haushaltsauflösungen und auf Flohmärkten entdeckt

„Irgendwann versiegten diese Quellen“, erinnert sich der Museumsleiter – die letzten Zeitzeugen waren verstorben und ihre Nachlässe waren aufgelöst.

Aus den zahllosen Dokumenten im Museumsdepot haben die Musealogen Alexa Kretschmer und Andreas Eismann die interessantesten Stücke herausgesucht und die Lebensläufe der einstigen Besitzer rekonstruiert. Sie entdeckten begeisterte Kriegsfreiwillige aus dem kaisertreuen Bürgertum, aber auch Bauernsöhne, die viel lieber in der Heimat geblieben wären, als in fernen Ländern für Kaiser und Vaterland zu kämpfen. Sie trafen auf Mütter, die ihren Söhnen Päckchen mit Kuchen an die Front schickten, auf Kriegerwitwen, die in schwierigen Zeiten allein für ihre Familien sorgen mussten, und auf junge Mädchen, die keinen Bräutigam fanden, weil Millionen Männer an der Front gefallen waren.

Dr. Michael Brodhaecker erforschte für die Ausstellung das Schicksal der jüdischen Soldaten in Ersten Weltkrieg und Dr. Andreas Eiynck untersuchte das Verhältnis Deutschlands zu den kriegsneutralen Niederlanden sowie die Folgen für die Grenzregion im Emsland und der Grafschaft. Zu diesem

Themenschwerpunkt gehören die Nordhorner Textilindustrie und die Heseper Torffabrik, die besonders in Kriegszeiten auf niederländische Arbeiter angewiesen waren, aber auch der zunehmende Schmuggel an der Grenze. Lingen als Lazarettstadt, das Eisenbahnwerk im Krieg, die Versorgungslage im „Steckrübenwinter“ 1916/1917 und das Schicksal der Kriegsgefangenen sind weitere Themen der Ausstellung.

Das große Ausstellungsprojekt „Heimat und Front“ erhielt finanzielle Förderung durch die Emsländische Landschaft sowie die Wisniewsky-Stiftung und wurde von der Studiengesellschaft für Emsländische Geschichte inhaltlich unterstützt. Die zahlreichen Leihgaben stammen aus dem Raum von Papenburg bis Salzbergen und von Emlichheim bis Freren. Alle Förderer und Leihgeber sowie alle weiteren Interessierten sind am Sonntag (23.2.) um 16 Uhr zur Eröffnung der Ausstellung eingeladen, der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei. Die Ausstellung läuft bis zum 24. August.

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