Fahrsicherheitstraining mit der Freiwilligen Feuerwehr Ahaus – Einsatzkräfte müssen sicher ankommen um zu retten

Das Fahrtechnik und Ausbildungszentrum (FAZ) in Holsterfeld schult regelmäßig Frauen und Männer, die Motorräder, Pkws, Kleintransporter, Lastwagen, Busse oder Sonderfahrzeuge lenken. In Theorie und Praxis wurden jetzt Einsatzkräfte der Freiwillige Feuerwehr Ahaus mit der Fahrphysik und –Dynamik vertraut gemacht.

Dreierwalde/Ahaus. FAZ-Leiter Ewald Rühlmann (Thuine) führte mit den Einsatzkräften der Freiwillige Feuerwehr (FF) Ahaus auf dem ehemaligen Flugplatz Dreierwald ein zertifiziertes Fahrsicherheitstraining durch. Rühlmann erklärte: „Wenn es wieder einmal gekracht hat oder es brennt, wird die Feuerwehr gerufen, um möglichst schnell effizient zu helfen. Oft sind dabei Menschenleben oder erhebliche Sachwerte in Gefahr.“

Die Brandbekämpfung ist heute noch immer eine der wichtigen Aufgaben der Feuerwehren. Die Feuerwehrleute werden aber auch bei den ständig zunehmenden technischen Hilfeleistungen wie z. B. bei Verkehrsunfällen gefordert. Die FF Ahaus mit fünf Löschzügen in Ahaus, Alstätte, Ottenstein, Wessum und Wüllen und 16 Einsatzfahrzeugen wurde 1883 gegründet. ZU ihrem großen Einzugsgebiet zählen der Stadtkern, die umliegenden Bauernschaften sowie die Autobahnabschnitte Ahaus/Legden-Gescher und Ahaus/Legden-Heek.

Zusätzlich werden in Ahaus Spezialfahrzeuge wie eine Drehleiter, ein Rüstwagen und ein Wechselladerfahrzeug mit einem Abrollbehälter für ABC- und Gefahrguteinsätze vorgehalten. Um fit zu bleiben und den ständig wachsenden Anforderungen gerecht zu werden, führen die Einsatzkräfte alle zwei Wochen donnerstags Übungsdienste durch. Darüber hinaus übernehmen sie zahlreiche weitere Sonderdienste, wie Brandsicherheitswachen, Brandschutzerziehung oder die Vorbereitungen zum alljährlichen Leistungsnachweis.

In Dreierwald nahmen zwölf Einsatzkräfte mit je einem Löschgruppenfahrzeug 10 und 20 sowie einem Mannschaftstransportfahrzeug an dem Fahrsicherheitstraining teil. Rühlmann, der Experte für  Fahrphysik und –Dynamik ist, betonte: „Für Feuerwehrleute ist es lebenswichtig zu wissen, welche Gefahren täglich im Straßenverkehr lauern. Sie müssen im Fall der Fälle möglichst schnell am Einsatzort ankommen um zu retten. Dies gilt für die Feuerwehr, Polizei und den Rettungsdienst.“

Rühlmann konfrontierte die Einsatzkräfte in Theorie und Praxis mit dem Fahrverhalten ihrer Fahrzeuge und erklärte: „Die Fahrphysik befasst sich bei Kraftfahrzeugen mit den Auswirkungen physikalischen Gesetze auf das Fahrverhalten und die Wahrnehmungen der Fahrer und Fahrzeuginsassen. Das Wissen dieser Gesetzmäßigkeiten ist insbesondere beim Fahren mit Sonder- und Wegerecht (Blaulicht und Martinshorn) von großer Bedeutung.“

Bei Kraftfahrzeugen werde der Kontakt zwischen Fahrzeug und Fahrbahn nur durch die Reifen mit mehreren handtellergroßen Flächen gegeben. Die Maximalkraft hänge vom hohen Kraftschlussbeiwert zwischen Reifen und Straße sowie der Radlast ab. Der Straßenzustand – trocken, feucht, nass, Schnee, Eis oder Schotter – habe den größten Einfluss auf den Kraftschlussbeiwert, erläuterte Rühlmann, der im praktischen Part mit den Teilnehmer zunächst das Bremsverhalten auf der Fahrbahn feststellte.

Auf nassen Flächen sei der Bremsweg um einiges länger, meinte Fahrsicherheitsexperte Rühlmann, der mit den Einsatzkräften im Rahmen der Prävention Unfallverhütung und –Vermeidung praktizierte. „Dabei war die Schlagbremsung mit den Großfahrzeugen bei Geschwindigkeiten von 20, 30 oder 40 Stundekilometern sehr wichtig. Bei vielen Verkehrsteilnehmern ist das starke Bremsen ein Problem. Es wird nicht konsequent genug gebremst, weil man Angst hat, dass sich das Fahrzeug überschlagen könnte.“

Die Feuerwehrkräfte stellten fest, dass der Wagen nicht die Spur verlässt, denn genau das Gegenteil passiert, wenn man auf der Bremse bleibt. „Da die ganze Fahrphysik über die Reifen läuft, ist der Zustand der Reifen – zu wenig Luftdruck oder Profil – für den Kontakt mit der Fahrbahn verantwortlich“, so Rühlmann, von dem die Retter erfuhren, welche physikalischen Kräfte die Reifen in den Flanken aufnehmen müssen.

In Verbindung mit dem Schwerpunkt stellten die Feuerwehrkameraden fest, dass ein höheres Auto sich mehr neigt und auch mal kippen kann, wenn man nicht „Herr der Situation ist“. Dem entgegen wirkte das Fahrsicherheitstraining. Beim Slalom-Fahren wurden die Seitenführungen der Reifen beim Lastwechsel deutlich. Dabei umfuhren die Teilnehmer links und rechts die im Abstand von 20 Metern aufgestellten „Leipziger Hüttchen“, erwähnte Rühlmann, der den Einsatzkräften riet: „Wenn sich das Fahrzeug gar nicht beruhigt, sondern sich immer mehr auf schaukelt, sind die Grenzen schnell aufgezeichnet.“

Bei einer Gefahrbremsung einem Hindernis auszuweichen sei schon eine besondere Herausforderung für die Fahrer von Löschfahrzeugen. Dies stellt auch Moritz Hoffmann von der hauptamtlichen Feuerwehr- und Rettungswache Ahaus fest und meinte: „Diese Auswirkungen hatte ich nicht erwartet.“ Bei dem Fahrsicherheitstraining konnten viele Situationen durchgespielt werden, die während der Einsatzfahrt auf die Einsatzkräfte zukommen können. Florian ter Huurne und Rafael Lösing vom Löschzug Alstätte erklärten: „Wenn es zu Extremsituationen kommt, brauchen wir nicht lange überlegen und wissen, wie wir reagieren müssen.“

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