„Ferienzeit ist für mich die stressigste Zeit des Jahres.“

©Film&Foto Media Spelle NewsHeute erreichte mich ein Brief von einer Leserin, die uns bat diesen zu veröffentlichen!
 
Brief:Aktuelles Zitat einer berufstätigen Mutter mit zwei Kindern (9 und 11 Jahre) aus meinem Bekanntenkreis
Die Gesellschaft will, dass Frauen Kinder bekommen (möglichst viele).Die Gesellschaft will, dass Frauen arbeiten (nach möglichst kurzer Babypause).Die Gesellschaft will, dass Frauen Angehörige pflegen.

Die Gesellschaft will stabile Familienverhältnisse, in denen Kinder sorgenfrei aufwachsen können.

Und was will ich, besser gesagt, was brauche ich, um all das leisten zu können?

Ich wünsche mir von der Gesellschaft, in diesem Fall der Samtgemeinde Spelle, Ferienbetreuung für alle Ferientage in den Oster-, Sommer-, Herbst- und Weihnachtsferien. So kann jede Familie individuell für sich planen, wann sie am entspanntesten die so dringend nötige Ferienzeit/ Familienzeit verleben möchte. In Absprache mit zwei Arbeitgebern und unter Berücksichtigung der individuellen Familiensituation.

Antwort: Das ist zu teuer.

Ich wünsche mir von der Gesellschaft/ Gemeinde Ferienbetreuung für alle Ferientage in den Oster-, Sommer-, Herbst- und Weihnachtsferien. Und zwar in meinem Wohnort und nicht in einer Nachbargemeinde.Wieso erwartet man von mir, die ich bereits mit 3 kleinen Kindern und einer drittel Stelle stark belastet bin, dass ich vor/ nach meiner Arbeit einen Umweg von 20 km fahre, um meine Kinder zur Ferienbetreuung zu bringen? Vom pädagogischen Nutzen, die Kinder erst zwei Wochen in dem einen Ort und dann eine Woche in dem anderen Ort zu betreuen, ganz zu schweigen.

Antwort: Das ist zu teuer.

Der demographische Wandel ist teuer!

Therapien stressbedingter Erkrankungen sind teuer!

Therapien für verhaltensauffällige Kinder sind teuer! Wir uns doch wohl alle einig, dass entspannte Eltern die besten Eltern sind (s.Zitat oben).

Wo bleiben die steuerlichen Mehreinnahmen, die die Frauen erwirtschaften, seitdem Sie aufgrund besserer Betreuungsmöglichkeiten mehr arbeiten? Vor der Einrichtung der Krippen stieg der Großteil der Frauen ein Jahr nach der Geburt eines Kindes mit einem Minijob wieder in den Beruf ein. Jetzt besetzen die Frauen überwiegend eine halbe Stelle und mehr und zahlen Steuern. Wo bleibt dieses Geld? Und wenn Frauen darauf vertrauen können, dass sie sich über die Betreuung ihrer Kinder keine Sorgen machen müssen, auch in der Ferienzeit, dann möchten viele sicherlich auch mehr arbeiten als bisher. Aber unter den derzeitigen Vorraussetzungen geht ein Großteil der Energie mit der Organisation und den damit verbundenen Sorgen über die Betreuung in der Ferienzeit verloren.

Ich habe mein Anliegen dem Familienzentrum vorgetragen. Und das zeigt auch Verständnis für meine Situation. Nur, um die Angelegenheit weiter voranzutreiben, müssen sich mehr Eltern, die meine Wünsche teilen, beim Familienzentrum melden. Ansonsten wird sich am Status quo so schnell nichts ändern.

In vielen Orten Deutschlands ist Ferienbetreuung in vollem Umfang längst etabliert. Und die Kinder melden sich dort teilweise an, nicht weil die Eltern arbeiten müssen, sondern weil sie gerne dorthin gehen, um neue Erfahrungen zu sammeln und um mit Gleichaltrigen zusammen zu sein (Beobachtung einer mir bekannten Diplom-Sozialpädagogin, die in diesem Bereich arbeitet).

Die finanzielle Benachteiligung von Familien gegenüber kinderlosen Arbeitnehmern ist unumstritten. Profitieren aus der kommenden Generation werden alle. Der Anspruch an die Erziehungsarbeit ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Der Anteil der berufstätigen Mütter ist gleichzeitig gestiegen und steigt weiter an. Es müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die weiterhin ein entspanntes Familienleben ermöglichen, sonst entscheiden sich künftig noch mehr Paare gegen Kinder.

Und flexible Urlaubsplanung ist meiner Meinung nach eine Grundvoraussetzung für optimale Rahmenbedingungen.

Bei der Ratsapotheke Anke Lindemann und bei Anke Kösters Hairdesign liegt eine Unterschriftenliste, in die ihr euch eintragen könnt, wenn ihr euch in einer ähnlichen Lage befindet. Tragt euch bitte ein, damit sich etwas ändert.

Wer sich stärker für das Thema engagieren möchte, kann gerne Kontakt mit mir aufnehmen.

VG Anne Menke menke@ebs-rheine.de

P.S.: Eventuell anfallende Kosten für die Betreuung werden zu ⅔ beim nächsten Lohnsteuerjahresausgleich erstattet

Foto: Archiv ©Film&Foto Media Spelle News
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