Hilferuf aus der Ukraine Freundeskreis der Ukrainefahrer schickt Hilfsgüter

Neun Tonnen Kleidung und Geräte transportiert

Der Hilfsgütertransport des Freundeskreises der Ukrainefahrer vom 15. bis 20. Oktober ist heil übergekommen. „Die Menschen in den Orten Lanowzy und Gribowa waren völlig überrascht, dass wir ihnen trotz der Unruhen in der Ukraine Hilfe gebracht haben. Wir haben so vielen helfen können, denn es mangelt besonders an Kleidung“, erklärten Hinrikus Ude, Reinhold Diekamp, Ferdinand Dreising und Gerhard Hoffschroer, die den Hilfsgütertransport in die Ukraine begeleiteten.

Ein Hilferuf von der Sozialstationleiterin Larisa im ukrainischen Ort Lanowzy erreichte den Freundeskreis am 3. September. Sie berichtete, dass in der Rayon Lanowzy viele Flüchtlinge aus Lugansk sind, für die sie Unterkünfte in unbewohnten Häuser in den umliegenden Dörfern gefunden habe. Sie habe sogar ihren Kühlschrank und den Elektroherd hingegeben. Diese Leute, meistens Mütter mit Kindern, brauchten auch etwas zu essen, Kleidung oder Geschirr. Die Freunde reagierte sofort und starteten einen Spendenaufruf, der eine Welle der Hilfsbereitschaft auslöste.

Die Menschen erinnerten sich sofort daran, dass aus der Region während des zweiten Weltkrieges 80 junge ukrainische Zwangsarbeiter nach Lingen verschleppt worden waren, um im damaligen Reichseisenbahnausbesserungswerk zu arbeiten. Ebenso trugen die ständigen Meldungen über die Schrecken der kriegerischen Handlungen im Osten der Ukraine dazu bei. Im Lager bei Hermann Pieper in Bramsche türmten sich die Kartons mit Kleidung. So machten sich Irmgard Pieper und Irmgard Schomaker ans Werk und sortierten tagelang die Sachen aller Größen. Sie verpackten diese in Kartons, auf denen der Inhalt angegeben war. Nach dem Wiegen wurden die Pakete mit Inhalt für den Zoll aufgelistet.

„Es wurde sehr viel Kleidung übergeben, teilweise neuwertig“, freute sich Hinrikus Ude, der mit Hilfe von Reinhold Diekamp einen ukrainischen Spediteur gewinnen konnte. Er erklärte sich bereit, nur gegen Kraftstoffkosten die 696 Kartons, drei elektrische Rollstühle, sechs Tische, 25 Stühle und fünf Krankenhaus Betten (insgesamt neu Tonnen) nach Lanowzy bringen. „Da auch einiges an Geld auf das Spendenkonto eingegangen war, konnte wir diesen Betrag zur Verfügung stellen“, erläuterte Ude, der stellvertretend Erwin Heinen von der Stadtverwaltung, Oberbürgermeister Dieter Krone, der Kolpingfamilie Bramsche und einigen Unternehmen für die finanzielle Unterstützung der Aktion dankt.

Am 14. Oktober traf der Sattelzug in Bramsche ein und wurde von vielen fleißigen Helfern beladen. „Die Aufstellung der Listen, die Unterschriften vom DRK Lingen, die Übersetzung ins Ukrainische und die Einladung aus Ternopyl sind vier Stunden vor der geplanten Abfahrt das Lkw um 19 Uhr eingegangen. Das hat auch einige Schweißtropfen gekostet, von den Nerven ganz zu schweigen“, resümierte Ude. Als Begleiter starteten am 15. Oktober um 5.30 Uhr im VW-Bulli Reinhold Diekamp, Ferdinand Dreising, Gerhard Hoffschroer und Hinrikus Ude, um mit dem LKW die polnisch-ukrainische Grenze zu passieren.

Nach der glücklichen Heimkehr berichtete das Quartet beim Treffen der Freundeskreises in der Halle IV, dass sie um 18 Uhr das Hotel „Ines“, 31 Kilometer vor Rzeszow erreichte haben. Der LKW befand sich noch zwischen Krakowice und Krakow. Die vier fuhren am 16. Oktober um 8.30 Uhr weiter zum Grenzübergang Mlyny / Krakovets. Hier trafen sie um 10.45 Uhr ein und warteten im Grenzbereich zwei Stunden auf den LKW, dessen Fahrer natürlich seine Fahrt- und Ruhezeiten einhalten musste. Nach verhältnismäßig zügiger Abfertigung standen sie um 13.45 Uhr dem ukrainischen Zoll gegenüber. Nach einigen Problemen und dem Eintragen der Listen in ein ukrainisches Zollformular konnten beide Fahrzeug um 17.30 Uhr mit einer Plombe für die LKW-Ladung den ukrainischen Zollbereich verlassen.

Ein großes Lob sprachen Diekamp, Dreising, Hoffschroer und Ude dem deutsch sprechenden ukrainischen Lkw-Fahrer aus, der jede Anlaufstelle beim Zoll kannte und sie

kräftig unterstützt hat. Ude erklärte: „Der LKW kann, bedingt durch die Ruhezeiten, nur bis Lwiw fahren. Wir vereinbaren mit dem Fahrer, dass wir zum Hotel nach Ternopil fahren und am nächsten Tag beim Zoll auf ihn warten werden. Um 22.15 Uhr sind wir nach der Fahrt über katastrophale Hauptstraßen – man spürte zuletzt jeden Knochen in seinen Körper – endlich im Hotel angekommen und fallen um 23.15 Uhr „geschafft“ in die Betten.“

Am 17. Oktober folgte ab 9 Uhr die Abfertigung im Zollhof: Der Sattelzug war pünktlich vor Ort. „Der Zollbeamte ist sehr zuvorkommend und man hat den Eindruck, dass er wirklich nur seine unbedingt notwendige Arbeit macht. Um 10.30 Uhr starten wir mit einem Zöllner an Bord in Richtung Sozialstation Lanowzy und kommen dort um 11.30 Uhr an, berichtet Ude und erklärte: „Die Menschen sind über den ersten Hilfsgütertransport in diesem Jahr in die Region völlig überrascht. Wir sind es aber auch, denn hier erwarten uns zwei Fahrzeuge und zehn junge Männer, die für das Entladen des Sattelzuge bereit stehen. Sie sind von der „Freiwilligentruppe“, die in einem Camp zum „Ost-Einsatz“ ausgebildet werden. Sie schienen Freude an dieser Arbeit zu haben, denn um 14.30 Uhr sind die gesamten Hilfsgüter vom LKW in die Räumlichkeiten der Sozialstation getragen.“

Der Zoll wird zwei bis drei Wochen benötigen, um die Unterlagen zu prüfen. Dann können die Sachen freigegeben werden. Mit freien Paketen fährt das Quartett nach Juskowzy und liefert diese dort bei ihren Freunden ab. Sie trafen mit Anja und ihrer Mutter, Swetlana und Andrey, Dolmetscherin Natalya, der Rot-Kreuz-Chefin von Ternopil, Lesja und Larissa von der Sozialstation Lanowzy zusammen. Die vier waren aber auch die knapp 1800 Kilometer gefahren, um für den ehemaligen Zwangsarbeiter „Franz„ (Wassilij Ratuschko), der vor einem Jahr gestorben ist, einen Grabstein aufstellen zu lassen. „Franz“ hatte am 24. Juni 1991 mit seinem Freund „Marian“ (Prokop Schafuruk) Lingen besucht. Bei Steinmetz Volodymyr entscheidet sich Enkelin Nadja für eine schwarze, in der Mitte offene Grabplatte.

Um die Sozialstation in Lanowzy „winterfest“ zu machen, wurde ein Angebot über eine Außentür und neun Kunststofffenster eingeholt. Die 1200 Euro sind OK und so wird die Maßnahme freigegeben. Bei der Sozialstation in Juskowzy ist Dach immer noch so undicht wie in Vorjahren. Bürgermeister Mischa konnte bisher noch kein Geld auftreiben, verspricht aber nach deutlichen Worten von Reinhold Diekamp, sich mit aller Kraft für ein neues Dach einsetzen. Im Kindergarten stehen die sechs Doppelstock-Kinderbetten der letzten Maßnahme, die aus bester Qualität gefertigt sind. Die vier entscheiden, dass auch die restlichen vier Betten in bewährter Manier über Lesja bestellt werden.

Der Schulleiter ist hoch erfreut, als ihm 750 Euro für die Ausstattung der Klassen (Tafeln usw.,) übergeben werden. Beim Besuch der Familie Smoly erklärte Mila: „Ich habe „kribbeln“ im rechten Arm gehabt und gedacht, es kann doch nicht sein, das die Deutschen kommen. Und jetzt ist das „Wunder“ eingetreten, ihr seid da!“ Es wurde auch über die Ostukraine gesprochen und es kam heraus, dass Dima, der Enkel von Mila, alle vier Wochen in diese Region fahren müsse. Sasha zeigte Bilder von dem Sohn von Olga der Architektin, der 41 Tage bei den Separatisten in Gefangenschaft war, dort schwer misshandelt worden sei. Es sei als gebrochener junger Mensch nach Lanowzy zurückgekehrt. Ebenso kam heraus, dass auf Seiten der Separatisten etliche Leute aus Tschetschenien kämpften und die Bevölkerung große Angst vor dem Einmarsch der Russen in die Ukraine habe.

„Mit dem Gefühl, etwas gutes für die Menschen getan zu haben, machten wir uns am 19. Oktober auf Rückfahrt in die Heimat. An der polnischen Grenze wurden wir nach einer ausgiebigen Wartezeit (Schichtwechsel usw.) sehr gründlich gefilzt“, erzählte Ude. Nach der Übernachtung im Hotel Katowice in Katowice geht es weiter an Breslau, Magdeburg, Braunschweig und Hannover vorbei nach Lingen. Sie treffen um 19.15 Uhr wieder bei Pieper in Bramsche ein und stellen fest: „Es war eine Hilfsaktion zur richtigen Zeit für eine gute Sache, die durch glückliche Umstände und einem enormen Einsatz vieler Menschen umgesetzt werden konnte!“

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