Landbau und Naturschutz unter einem Hut – Experten diskutierten Zwischenergebnisse in Spelle

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BU: Begutachten eine ELKE-Fläche in Schapen (v. l. n.r.:) Ralf Krechel, Dr. Rüdiger Scherwaß (beide Institut für Vegetationskunde, Ökologie und Raumplanung Düsseldorf), Ludger Pott (Fachbereichsleiter Umwelt LK Emsland), Erster Samtgemeinderat Stefan Lohaus, Finn Ahrens (3N Kompetenzzentrum e.V.), Samtgemeindebürgermeister Bernhard Hummeldorf, Magdalena Wilmes (Bürgermeisterin Gemeinde Lünne), Dr. Marie-Luise Rottmann-Meyer (3N Kompetenzzentrum e.V.), Thomas Düsing (Samtgemeinde Spelle), Georg Holtkötter (Bürgermeister Gemeinde Spelle), Dr. Niels Gepp (Leiter Untere Naturschutzbehörde).

 

Spelle – Die Samtgemeinde Spelle und das 3N Kompetenzzentrum Niedersachsen Netzwerk Nachwachsende Rohstoffe e. V., Werlte, sind die niedersächsischen Partner, die im Bundesprojekt ELKE bei der Entwicklung extensiver Landnutzungskonzepte für die Produktion nachwachsender Rohstoffe als mögliche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen zusammenarbeiten. Von den fünf bundesweiten Modellstandorten liegt einer als niedersachsenweit einziger Standort in der Samtgemeinde Spelle. Jüngst wurden die Ergebnisse des dreijährigen Vergleichszeitraumes den Vertretern der Samtgemeinde und der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Emsland in einem Arbeitsgespräch vorgestellt.

„Durch Bauvorhaben und die hierfür nötigen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen gehen zunehmend landwirtschaftliche Flächen verloren. Um diese Flächenkonkurrenz zu entschärfen, wurde in 2008 das ELKE-Projekt gestartet“, erklärte Finn Ahrens, Projektleiter vom 3N Kompetenzzentrum. Ziel des von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) geförderten Bundesverbundprojektes ist es, Kompensationsmaßnahmen durch extensiv angebaute nachwachsende Rohstoffe als Ergänzung zum klassischen Naturschutz zu entwickeln und zu erproben. Im Rahmen dieses Forschungsprojektes wurden in 2011 und 2012 rund 40.000 Bäume auf drei Flächen in der Gemeinde Schapen mit einer Gesamtgröße von rund neun Hektar gepflanzt. Neben einheimischen Baumarten wie Eberesche, Schwarzerle, Traubeneiche und Sandbirke stehen auch schnellwachsende Baumarten wie Weiden oder Pappeln zur Produktion von Holzhackschnitzeln auf den Flächen. Auf den Praxisflächen wurden vielfältige wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt, u.a. welche Auswirkungen eine solche Anpflanzung auf die Entwicklung der Flora und Fauna hat. Es wurde festgestellt, dass die biologische Vielfalt im Vergleich zu umliegenden Flächen deutlich erhöht werden konnte. So konnten die Wissenschaftler auf den ELKE-Flächen beispielsweise Spinnen- und Käferarten finden, die in Niedersachsen als gefährdet oder stark gefährdet gelten. Zudem wurde eine Zunahme der Population dieser Arten festgestellt. Die Vegetation erhielt auf diesen Flächen Entwicklungsraum, so dass diese Flächen für die heimischen Vögel als Singwarte, wichtiges Nahrungshabitat oder Rückzugsgebiet zum Schutz vor Fressfeinden dienten. Mit zunehmendem Alter des Baumbestandes werden sich einige Vogelarten zum Brüten auf den ELKE-Flächen niederlassen. Außerdem bietet ein solches Kultursystem weitere vielfältige Möglichkeiten – vom Rückzugsort für die heimischen Lebewesen zum Biotopverbund über den Klimaschutz bis zur Gestaltung des Landschaftsbildes. Alle Beteiligten waren sich einig, dass die bisherigen Ergebnisse erkennbare Tendenzen zeigen, die den im Vorfeld der Anpflanzung unterstellten ökologischen Zielwert bestätigen. „Eine Fortführung der Flächenbeobachtung über einen längeren Zeitraum ist daher sinnvoll, damit sich zeigen kann, ob diese Kulturen als funktionelle Kompensationsmaßnahmen praxistauglich sind und Naturschutz durch alternative Landbausysteme stattfinden kann“, zog Ahrens ein Fazit des Projektes. Auch Samtgemeindebürgermeister Bernhard Hummeldorf sieht in dem Forschungsprojekt positive Ergebnisse: „Nicht nur die Flächenkonkurrenz kann entschärft werden, durch die extensive Nutzung entsteht auch ein vielseitiger Lebensraum für heimische Tierarten.“

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