Landkreis Emsland unterstützt Täterberatung finanziell

Der Schutz der Opfer vor häuslicher Gewalt steht im Mittelpunkt eines Projekts, das im Landkreis Emsland durch den SKM – Katholischer Verein für soziale Dienste in Lingen in Zusammenarbeit mit der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim bereits seit mehreren Jahren im südlichen Emsland durchgeführt wird. Um eine Ausweitung des Projekts „Täterberatung bei Häuslicher Gewalt“ zu ermöglichen, haben die zuständigen Gremien des Landkreises Emsland jetzt einen Zuschuss von jährlich 15.000 Euro bewilligt.

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von links: Michael Lammel vom SKM Lingen, Hermann-Josef Schmeinck, Geschäftsführer des SKM Lingen, Hiltrud Freese, Opferbeauftragte der PI Emsland/Grafschaft Bentheim, Karl-Heinz Brüggemann, Leiter der PI Emsland/Grafschaft Bentheim, Landrat Reinhard Winter und Sozialdezernentin Dr. Sigrid Kraujuttis

„Es ist uns wichtig, dieses Projekt in der notwendigen Form umzusetzen. Mit der Ausweitung des Angebots verdoppeln sich die Personalstunden von bisher zwölf auf 24 Wochenstunden. Dies ist nicht ohne unseren finanziellen Einsatz zu leisten“, betont Landrat Reinhard Winter. Auch der Landkreis Grafschaft Bentheim plant zeitnah in den zuständigen politischen Gremien über eine jährliche Zuwendung in Höhe von 10.000 Euro zu beschließen, sodass künftig das Beratungs- und Kursangebot im Emsland und in der Grafschaft Bentheim flächendeckend angeboten werden kann.

„Der SKM Lingen ist die einzige vom Land anerkannte und geförderte Täterberatungsstelle für den Bereich der häuslichen Gewalt in der Region Emsland/Grafschaft Bentheim“, stellt Hermann-Josef Schmeinck, Geschäftsführer des SKM Lingen die Bedeutung der Initiative heraus. Mit dem Projekt wird ein besonderer präventiver Ansatz verfolgt: Täter können ihrer Verantwortung gerecht werden, ihre sozialen Kompetenzen verbessern und dadurch aktiv zu einer verbesserten häuslichen Situation beitragen. „Das Beratungsangebot zielt auf die Durchbrechung der Gewaltspirale. Da die Mehrzahl der Familienangehörigen nach der Tat wieder in das häusliche Umfeld zurückkehrt, kann durch die präventive Beratung und die Arbeit mit den Tätern eine nachhaltige Verhaltensänderung erreicht werden, um so das Opfer vor weiterer Gewalt zu schützen“, erläutert Winter.

„Als wichtige Basis wird die gute Netzwerkarbeit zwischen Polizei und den Beratungs- und Interventionsstellen des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) Lingen, Meppen und Esterwegen angesehen, die 2015 insgesamt 720 Beratungen durchgeführt haben. Eine enge Zusammenarbeit besteht auch mit der Justiz und dem Opferschutz sowie der Opferhilfe“, betont Karl-Heinz Brüggemann, Leiter der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim. 2015 stellte die Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim dem SKM Lingen die Kontaktdaten von 223 Männern zur Verfügung, die gegen ihre Partnerinnen Gewalt ausgeübt hatten, um direkte Beratungsarbeit leisten zu können.

In Einzel- sowie Gruppensitzungen für sechs bis acht Teilnehmer werden mit jeweils zwei Mitarbeitern des SKM Lingen unterschiedliche Inhalte vermittelt. Dazu zählen die Tatrekonstruktion und Verantwortungsübernahme, die Auswirkungen der Gewalttat auf die Partnerin und die Familie, das Training gewaltfreier Kommunikation und die Erarbeitung partnerschaftlicher Konfliktlösungen. Nach Abschluss des Kurses, für den auch eine Kostenbeteiligung der Teilnehmer erforderlich ist, erhalten die Teilnehmer eine Bescheinigung, die bei justizieller Zuweisung als Nachweis genutzt werden kann. Drei Monate nach Kursende findet ein Nachfolgetermin statt, der auch Aussagen über die Wirksamkeit des Kurses zulässt.

Das Land Niedersachsen hat in 2012 das Projekt mit 8000 Euro und von 2013 bis 2016 mit jährlich 20.000 Euro gefördert. Auch für 2017 wurde vom Land eine Beteiligung von 20.000 Euro in Aussicht gestellt.

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