Mädchen im Zug vor pädophilem Täter beschützt

„Phalanx der Aufrechten“ Mädchen im Zug vor pädophilem Täter beschützt – Bundespolizei ehrt Helfer für Zivilcourage

 

Bad Bentheim / Bremen. Die Bundespolizei hat heute zwei junge Männer aus Bremen für hervorragende Zivilcourage ausgezeichnet. Im August hatten sie einen 63-jährigen Mann im Zug bei Halberstadt festgehalten und an die Polizei übergeben. Der Täter bedrängte zuvor ein zehnjähriges Mädchen und berührte sie intim. Franz-Wagner (Mitte / 28 Jahre) und Jan-Hendrik Ellmers (rechts / 26 Jahre) sind zwei sportliche Studenten. Am 7. August waren sie nach Dresden zu einem Junggesellenabschied unterwegs. Das zehnjährige Mädchen fuhr allein auf der letzten Teilstrecke zu ihrem Vater und saß an der Tür zum Lokführer. Die Mutter hatte sie bis Hannover begleitet, so dass sie nur noch eine Teilstrecke allein fuhr. Was jedoch niemand ahnte: Die Fahrtrichtung änderte sich, so dass der Lokführer am anderen Ende des Zuges steuerte. Im Waggon waren nur noch das kleine Mädchen und ein paar Plätze weiter die Studenten. Irgendwann stieg der 63-Jährige zu und setzte sich in die Nähe außerhalb des Sichtfeldes. Er unterhielt sich kurz mit der Kleinen, das bekamen die Studenten noch mit. Doch als es plötzlich still wurde, machte sich Jan-Hendrik Ellmers Sorgen: Er stand auf, um nach dem Mädchen zu schauen. Der Täter hatte sich über sie gebeugt und die Hand unter ihrem Shirt. Der Student zog den Arm des Mannes weg, drängte ihn ab, erwartete Widerstand. Doch nichts passierte – mit couragiertem Eingreifen hatte der Täter scheinbar nicht gerechnet. Während ihn Ellmers in Schach hielt und am Weggehen hinderte, sprach Franz Wagner mit dem Mädchen; perplex und geschockt saß sie da. Und so kümmerten sich die beiden Studenten auch noch im Streifenwagen um sie, bis eine Polizistin erschien und das Mädchen betreute. Den Zugbegleiter hatten sie sofort informiert – er stoppte den Zug am nächsten Bahnhof und rief die Polizei. Für ihr Handeln wurden die jungen Männer heute im Namen des Leiters der  Bundespolizeiinspektion Magdeburg in der Bundespolizeiinspektion Bremen geehrt. „Die beiden haben alles richtig gemacht“, so Pressesprecher Holger Jureczko (links). „Allein das gemeinsame Aufstehen ist die Art der Körpersprache, die jeder Täter auch ohne Worte versteht – eine Phalanx der Aufrechten!“ Bei Aktionen von Zivilcourage kann jeder mitmachen, auch wenn sich niemand selbst in Gefahr bringen soll: „Lärm machen, Licht schaffen, Leute suchen“ – so gilt es zu handeln, um Tätern zu begegnen und Opfern beizustehen. Die gemeinsame Untätigkeit durchbrechen, andere Helfer ansprechen. Auch Deeskalation kann ein Mittel sein – leise sprechen zum Täter, aber laut zu Helfern –  und dann die Polizei rufen: Telefon 110 oder in fahrenden Zügen an die Hotline der Bundespolizei unter 0800 / 6 888 000, möglichst im Telefon gespeichert, „Wir hatten uns zunächst gefragt, ob man dem alten Mann Unrecht tut, wenn man ihn im Zug anspricht und verdächtigt, aber mit dem ersten Aufstehen war alles ganz leicht: da gab es nichts mehr zu überlegen, sondern nur noch zu handeln“, sagt Ellmers. Bei aller Empörung blieben die beiden sachlich, kamen nicht auf die Idee der Selbstjustiz: Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gilt für Polizisten, wie auch für Helfer. Festhalten des Täters, Beistand für Opfer – und sich unbedingt als Zeuge zur Verfügung stellen. Auch dann, wenn man körperlich nicht helfen kann. Zwei Stunden später war die Anzeigenaufnahme beendet. Jan-Hendrik Ellmers und Franz Wagner wurden von der Streife zum nächsten Zug gefahren. Den Vater haben sie auch noch getroffen – sein Dank und der des kleinen Mädchens ging ihnen ans Herz.

Phalanx der Aufrechten

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