Rettungskräfte nehmen an Fahrsicherheitstraining teil Sicher ankommen und retten ist oberstes Gebot

Das Fahrtechnik und Ausbildungszentrum (FAZ) in Holsterfeld schult regelmäßig Frauen und Männer, die Motorräder, Pkws, Kleintransporter, Lastwagen, Busse oder Sonderfahrzeuge lenken. Hier werden auch Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren aus Nordrhein-Westfalen in Theorie und Praxis mit der Fahrphysik und Fahrdynamik vertraut gemacht.
Holsterfeld. Der stellvertretende Leiter der Freiwilligen Feuerwehr (FF) Emsdetten, Stadtbrandinspektor Ralf Albers, hat mit sechs Kameraden an dem speziell auf sie abgestimmten Fahrsicherheitstraining teilgenommen. Die Wehr hat mit 180 aktiven Einsatzkräften, die auf die Hauptwache Emsdetten mit drei Löschzügen und einem am Standort „Hembergen“ verteilt sind.

Von der FF Saerbeck, die 112 aktive Einsatzkräfte in den drei Löschzügen: Dorf, Sinningen und Westladbergen hat, sind sechs Männer mit dem stellvertretenden Leiter Gemeindebrandinspektor Robert Laumann zum FAZ nach Holsterfeld gekommen. Dessen Leiter Ewald Rühlmann und Dozent Dieter Lohmann erklärten ihnen: „Wenn es wie so oft wieder gekracht hat oder es brennt, werden die Feuerwehr gerufen, um möglichst schnell effizient zu helfen. Oft sind dabei Menschenleben oder erhebliche Sachwerte in Gefahr.“

Die schnellen Einsatzkräfte der FF Emsdetten und Saerbeck wurden auf dem Übungsgelände hinter dem Rasthof Holsterfeld von den Spezialisten Rühlmann und Lohmann mit möglichen Gefahren bei Einsatzfahrten konfrontiert. Davon überzeugte sich auch Dr. Manigée Derakshani von der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen, Hauptabteilung Prävention, Abteilung Gesundheitsdienst, Feuerwehr, Hilfeleistung und Ehrenamt, Regierungsbezirk Münster. Dr. Derakshani betonte: „Wir empfehlen und befürworten das intensive Fahrsicherheitstraining, das wir auch finanziell unterstützen.“ Sie machte sich nicht nur ein Bild von dem Szenario, sondern nahm ebenso auf dem Beifahrersitzt eines Löschfahrzeugs Platz, um hautnah mitzuerleben, wie sich das Löschfahrzeug und dessen Fahrer bei Slalomfahrten oder Bremsungen auf nasser und trockener Straße verhalten.

Albers und Laumann meinten: „Für unsere Einsatzkräfte ist es lebenswichtig zu wissen, welche Gefahren täglich im Straßenverkehr lauern. Sie müssen im Fall der Fälle möglichst schnell den Einsatzort erreichen.“ Ralf Albers betonte, dass die Sicherheit an obersteter Stelle stehe. Er bemängelte aber, dass es in NRW bei der Freiwilligen Feuerwehr keine Fachkraft für Arbeitssicherheit gebe. Rühlmann erklärte: „Wer schnelle Hilfe bringen will, der muss auch sicher am Einsatzort ankommen.“

Die Einsatzkräfte der FF Emsdetten und Saerbeck nahmen an dem Fahrsicherheitstraining mit einem Löschgruppenfahrzeug LF 20, Gerätewagen Logistik GW-L 2, zwei Tanklöschfahrzeugen TLF 3000, einem Kommandowagen, ELW 1 und Tragkraftspritzenfahrzeug TSF W teil. Laumann erläuterte ihnen: „Die Fahrphysik befasst sich bei Kraftfahrzeugen mit den Auswirkungen physikalischen Gesetze auf das Fahrverhalten und die Wahrnehmungen der Fahrer und Fahrzeuginsassen. Das Wissen dieser Gesetzmäßigkeiten ist insbesondere beim Fahren mit Sonder- und Wegerecht von großer Bedeutung.“

Der Experte sagte, dass der Kontakt zwischen Fahrzeug und Fahrbahn nur durch mehrere handtellergroße Flächen gegeben sei. Die Maximalkraft hänge vom hohen Kraftschlussbeiwert zwischen Reifen und Straße sowie der Radlast ab. Der Straßenzustand – trocken, feucht, nass, Schnee, Eis oder Schotter – habe den größten Einfluss auf den Kraftschlussbeiwert. Im praktischen Part stellten Absolventen auf der präparierten Fläche zunächst das Bremsverhalten auf trockener Fahrbahn fest. Auf der nassen Straße wurde deutlich, dass sich der Bremsweg deutlich verlängert.

Dozent Lohmann erklärte: „Die Schlagbremsung mit den Einsatzahrzeugen bei Geschwindigkeiten von 20, 30 oder 40 km/h ist sehr wichtig. Viele Verkehrsteilnehmer bremsen nicht konsequent genug, weil sie Angst haben, dass sich das Fahrzeug überschlagen könnte.“ Die Feuerwehrmänner stellten fest, dass der Wagen nicht die Spur verlässt, denn genau das Gegenteil passierte, wenn sie auf der Bremse blieben. „Die ganze Fahrphysik läuft über die Reifen. Daher ist deren Zustand – zu wenig Luftdruck oder Profil – für den Kontakt mit der Fahrbahn verantwortlich“, ergänzte Lohmann, der zeigte auf, welche physikalischen Kräfte die Reifen in den Flanken aufnehmen müssten. In Verbindung mit dem Schwerpunkt stellten die Feuerwehrmänner fest, dass ein höheres Auto sich mehr neige und auch mal kippen könne, wenn man nicht „Herr der Situation sei“. Dem entgegen wirkte das Fahrsicherheitstraining.

Beim Slalomfahren wurden die Seitenführungen der Reifen beim Lastwechsel deutlich. Lohmann erklärte dazu: „Wenn sich das Fahrzeug gar nicht beruhigt und immer mehr aufschaukelt, sind die Grenzen schnell aufgezeichnet. Bei einer Gefahrbremsung einem Hindernis auszuweichen ist schon eine besondere Herausforderung für die Fahrer der Löschfahrzeuge.“ Wenn es zu Extremsituationen kommt, brauchen die Absolventen des Fahrsicherheitstraining nicht lange überlegen und wissen nun, wie sie reagieren müssen.

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