Revier Elbergen auf dem Prüfstand

Emsbühren/Nordhorn/Lingen/Lünne/Spelle.Die Revierförsterei Elbergen im Forstamt Ankum wird neu beplant. Mehrere Monate lang inspizierte ein Forstfachmann der Niedersächsischen Landesforsten jeden einzelnen Waldbestand. Dabei wurde die Waldpflege und Nutzung der letzten 10 Jahre bewertet und die Bewirtschaftung für das nächste Jahrzehnt geplant. Aufgrund des hohen Anteils junger Wälder hat sich der Holzvorrat im Revier Elbergen in den vergangenen 10 Jahren um ein Drittel erhöht. Daher wurde die nachhaltige jährliche Holznutzung um ein Viertel auf fast 8.000 Kubikmeter Nutzholz heraufgesetzt. Die Einbringung von Buchen und Douglasien in ältere Nadelbaumwälder geht weiter, so dass sich der Mischwaldanteil weiter erhöhen wird.

Sorge machen die Ausbreitung der unerwünschten amerikanischen Traubenkirsche und der beträchtliche Wildverbiss, besonders in Buchenpflanzungen. „Die Wälder der Försterei Elbergen liefern künftig nicht nur mehr Nutzholz, sie werden auch vielfältiger und wir setzen deutliche Naturschutzakzente“, beschreibt Forstamtsleiter Ulrich Zeigermann die Entwicklung für die nächsten Jahre.Alle 24 Forstämter der Niedersächsischen Landesforsten werden im zehnjährigen Turnus durchleuchtet. Bei dieser Forstinventur wird die Waldbewirtschaftung begutachtet und für den kommenden Zehn-Jahres-Zeitraum fortgeschrieben. Dabei ist die Nachhaltigkeit, zum Beispiel bei der Holznutzung, ein wichtiger Grundsatz, aber auch aktuelle Entwicklungen, wie Naturschutzziele und der Klimawandel fließen in die Planungen ein. Für den Revierförster vor Ort sind die Ergebnisse der Forstinventur die Leitlinie für seine jährliche Waldpflege, Pflanzungen, Naturschutzmaßnahmen und die Holzernte.

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Hintergrund:

Die Revierförsterei Elbergen ist eine von acht Förstereien des Forstamtes Ankum. Zuständiger Förster ist Bernhard Reker. Die Revierförsterei umfasst rund 1700 Hektar (17 Quadratkilometer) und besteht aus sieben Waldgebieten:

der Barentelgen bei Listrup und Venhaus, westlich des Dortmund-Ems-Kanals,
der Speller Sand bei Spelle.,
der Wintermannssand und der Venneberg bei Lünne,
das Maseberger Holz und das Heidfeld bei Emsbüren und
das Hauptrevier Elbergen Nordhorn und Lingen, welches zum Teil auf dem Truppenübungsplatz Nordhorn liegt.

Die Wälder sind überwiegend aus der Aufforstung von Wehdünen und devastierter Heide hervorgegangen. So wurden allein von 1813 bis 1840 in der Niedergrafschaft Lingen 1.300 Hektar Wehsandflächen von der Forstverwaltung aufgeforstet. Vorrangiges Ziel war die Festlegung der Sanddünen. Der Flugsand bedrohte damals unter anderem auch wichtige Wasserstraßen, wie die Ems.

Daher überwiegen im Revier mit 90 Prozent die Sandböden und die Nadelbaumarten dominieren mit 85 Prozent den Wald. Allein die Kiefer ist als Pionierbaumart auf den damaligen Wehsanden auf 60 Prozent der Waldfläche vertreten.

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Aufgrund der extrem nährstoffarmen und auch trockenen Sandstandorte werden die im Vergleich zu Laubbäumen genügsameren Nadelhölzer weiterhin im Revier stark vertreten sein.Eine problematische Baumart ist die sich agressiv aussamende Spätblühende Traubenkirsche, die mittlerweile auf der halben Waldfläche verbreitet ist. Teilweise soll sie durch die Pflanzung von Buchen verdrängt werden. Sorge bereitete bei der Erfassung auch der Wildverbiss. Während gezäunte Buchenpflanzungen gut wachsen, bleiben die gleichen Bäume ohne Zaun deutlich zurück. Insbesondere die Zunahme des Damwildes, verbunden mit ersten Schälschäden, erschwert in Zukunft die Waldverjüngung. Im 200 Hektar großen Waldgebiet „Heidfeld“ bei Emsbüren befindet sich der einzige Naturwald ohne Nutzung in der Region. Der umgebende Wald wird im Zuge von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen ebenfalls in naturnahen Wald umgewandelt. So werden die alten Kiefernbestände unter Erhalt von Habitatbäumen genutzt. Die vorkommenden Hähereichen und Birken bilden zusammen mit gepflanzten Eichen, Buchen und Kiefernanflug die nächste Waldgeneration. Nicht standortheimische Baumarten, wie Strobe, Douglasie, Hemlock, Traubenkirsche und Fichte werden zurückgedrängt. Das Heidfeld ist Naturschutzgebiet.

Das komplett auf dem Truppenübungsplatz Nordhorn-Range liegende Naturschutzgebiet „Engdener Wüste/Heseper Moor“ gehört zu 10 % zu den Landesforsten. Für beide Naturschutzgebiete erarbeiten die Landesforsten jeweils spezielle naturschutzfachliche Bewirtschaftungspläne.

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