Über 2000 Menschen protestieren in Lingen gegen Pegida-Bewegung Oberbürgermeister Krone setzt deutliches Zeichen Lingen ist weltoffen, bunt, friedvoll, tolerant und integriert Aufstand der Anständigen gegen Pegida-Bewegung

Lingen Demo gegen Pegida Bewegung 14

Die Veranstalter der Demonstration am Montagabend in Lingens Innenstadt gegen die Pegida-Bewegung waren überwältigt von der Teilnehmerzahl. Über 2000 Menschen aus der Region versammelten sich am Bahnhofsvorplatz, um gegen 18 Uhr mit einem Schweigemarsche zum Markplatz zu gehen.   An der Spitze der langen Menschenkolonne, die durch die Marienstraße führte, trugen neben Oberbürgermeister Dieter Krone Vertreter aller Parteien, kirchlichen Verbände und Gewerkschaften ein Transparent mit der Aufschrift „Für ein buntes Lingen“. Als die Kundgebung vor dem historischen Rathaus begann, waren es über 2000 Teilnehmer, die dichtgedrängt auf dem Marktplatz standen und ihre Unwillen mit Fahnen und Spruchbändern gegen die Pegida-Bewegung zum Ausdruck brachten.

Solidarität nach den Terrorakten in Paris

Dr. med. Heribert Lange, Vorsitzender FORUM JUDEN CHRISTEN im Altkreis Lingen e.V., begrüßte im Namen des Forums Vertreter des Lingener Rates, der Stadtverwaltung, ihrer Parteien und Nachbarorganisationen aus dem Altkreis, der Grafschaft Bentheim, des kurdischen Kulturvereins, des Forums Juden Christen, von Pax Christi, Kolping, KAB, BDKJ, den Kirchen, der Wirtschaft, Gewerkschaften Sozialverbände, SKM, ARITAS, AWO, Jugendorganisationen sowie des Kinder- und Jugendparlaments und der Schulen. Lange war überrascht, dass sich so viele Menschen mit den Opfern und Unterdrückten solidarisch erklärten.

Lingen Demo gegen Pegida Bewegung 20

Aufstand der Anständigen gegen Pegida-Bewegung

Dr. Lange betonte: „Wir wollen mit unserem Aufruf zu dieser anderen Art der Montagsdemonstration, die wir unter dem des Vers aus dem Lukas Evangelium „weil in der Herberge kein Platz war“ gestellt haben. Wir wollen damit klarmachen, dass unser heutiges Problem eigentlich ein schon altes Problem ist. Heute gibt es einen neuen, leider auch überaus traurigen Grund, uns hier zu versammeln. Wir wollen unsere Solidarität und Verbundenheit mit dem schwer getroffenen französischen Volk bekunden und uns zum Aufstand der Anständigen bekennen, mit dem wir uns gegen die Pegida-Bewegung und weitere reaktionäre Gruppen stellen, die den überaus traurigen und folgenschweren Anschlag dortiger Dschiadisten gegen Menschen und Menschenrechte benutzen, um ihre gedankenlose und monotone Agitation und Panikmache immer noch mehr und weiter nach dem Motto „Jetzt sieht man’s ja, wohin das führt“ unanständig und obendrein falsch zu befeuern.“

„Mit unserem Aufstand der Anständigen hier in Lingen wollen wir Sie aber heute Abend auch für ein Bündnis der Solidarität und Menschenfreundlichkeit gewinnen. Franziskus Bergoglio hat das schon lange, nämlich seit Lampedusa, angemahnt und hat es in seiner Weihnachtsansprache ein Bündnis der Zärtlichkeit, also eine Bewegung hin zu Empfindsamkeit und Hilfsbereitschaft für Menschen genannt, die großer Not, auch um das nackte Leben und unvorstellbarem Elend entkommen sind. Sie sind auf ihrem Überlebensweg hier bei uns in Europa, in Deutschland, auch schon in Lingen gestrandet oder kommen noch. Es ist ungefähr so, wie wir das auch hier in Lingen vor 70 Jahren mit deutschen Flüchtlingen, vor 40 Jahren bei der Flüchtlingswelle aus Vietnam und vor 20 Jahren mit den Flüchtlingen aus Jugoslawien erlebt haben. Wir hören nun von Politikern, Ökonomen und selbstberufenen Naseweisen noch ganz anderer Provenienz, dass es ja durchaus gut für uns sei, wenn diese Menschen als Flüchtlinge und auch als Zuwanderer zu uns kämen – auch von „nützlich“ war in diesem Zusammenhang die Rede. Auch die Demographie wurde ins Feld geführt, und auch das nicht unwidersprochen gebliebene Rechenexempel der BERTELSMANN-Stiftung, dass Zuwanderer dem Staat Deutschland sogar Geld in die Kassen spülten“, erklärte Lange.

In seiner aus dem Herzen gehaltenen Rede meinte Dr. Lange: „Und wir hören auch, und zwar im ganzen Gegensatz dazu, das dumpfe Dröhnen von der Gefahr der Islarnisierung, die wie ein totalitäres Regime über den Geist und die Geister unserer Gesellschaft kommen werde, wenn der Zuwanderung und der Flüchtlingswelle, die uns ja eigentlich erst noch bevorsteht, nicht Einhalt geboten werde. Gar nicht zu reden von Parolen wie „Das Boot ist voll“ und der „Aushöhlung“ oder gar „Ausbeutung unserer Sozialsysteme“. Wir erleben mit Schaudern, dass auch diese Positionen – es sind die Positionen von PEGIDA und mindestens in Teilen auch die der AfD – sich beträchtlichen Zuspruchs erfreuen.

Lingen Demo gegen Pegida Bewegung 18

Solidarität, Mitmenschlichkeit und Menschenfreundlichkeit

Das Gott sei Dank nach wie vor verankerte Asylrecht in den Grundrechten, das nach wie vor für alle Menschen dieser Welt bestimmt sei, sei nicht nach der Messlatte der Nützlichkeit bemessen, sondern allein an der Tatsache der Zugehörigkeit jedes einzelnen Menschen in der Gesellschaft. „Und wir müssten uns erinnern, dass die Trennung der Gesellschaft in Nützlich und Unnütz unmenschlich und mit todbringenden und katastrophalen Folgen, nicht nur für die Menschen, sondern auch für den Geist, die Kultur und Weltanschauung einer Gesellschaft geradezu zwangsläufig verbunden ist – was die Nazis in Deutschland in grauenhafter Weise vorgemacht haben, als sie mit dem Begriff des „lebensunwerten Lebens“ und der „Ballstexistenzen“ gleich einem Bulldozer in der Gesellschaft der Deutschen, wie sie sagten „aufräumten“, stellte Lange heraus.

Lingen ist offenen für alle Menschen

Lange appellierte an die Zivilcourage aller und an das Wort des Papstes Franziskus, an die „“Zärtlichkeit“: „Lassen Sie uns gemeinsam den dumpfen Parolen der Brunnenvergifter von PEGIDA widerstehen, helfen wir gemeinsam mit, dass diese Menschen die für sie unabdingbare Hilfe erfahren, und seien wir stark in der Solidarität mit ihnen und dem guten Geist unserer Gesellschaft, der Bürgerinnen und Bürger Lingens, der offenen Stadt Lingen. Lingen ist offen für alle Menschen, die auf der Flucht sind, offen für die Vielfalt dieser Menschen, offen für die Vielfalt ihrer Anschauungen und offen für ihre Buntheit. Sie warten auf unser Verständnis, unser Vertrauen und unsere Hilfsbereitschaft. – seien es Moslems, Christen, Juden, Jesiden, Afrikaner, Kurden, Syrer oder Palästinenser“, forderte Lange.

Lingen Demo gegen Pegida Bewegung 19

Barbarische Angriffe auf Pressefreiheit und die freiheitliche Welt

OB Dieter Krone sah die Veranstaltung als ein überwältigendes Zeichen für Toleranz, Mitmenschlichkeit und Integration. „Ich bin stolz darauf, dass wir eine weltoffene Stadt sind, die bunt, friedvoll sowie tolerant ist und die integriert. Auch dafür wollen wir heute ein Zeichen setzten“, so Krone, der den Organisatoren, dem Forum Juden Christen dankte. „Wir wollen dem Terrorattentat in Paris die Stirn bieten. Unser Mitgefühlt gilt den Angehörigen, unsere Solidarität gilt Paris und ganz Frankreich. Stehen wir Seit an Seite mit unseren Freunden, auch mit unserer Partnerstand „Elbeuf sur Seine“, die im Großrauim von Paris liegt. Ich sofort nach dem Attentat meinem dortigen Bürgermeisterkollegen mit einem Brief mein Mitgefühlt ausgedrückt. Diese barbarischen Angriffe sind Angriffe auf die Pressefreiheit und die freiheitliche Welt. Wir sind „Charlie Hebdo“, wir sind Europa. Wir alle zeigen Flaggen für Toleranz, Mitmenschlichkeit und Integration.

Die Vorsitzende des SPD-Ortsverein und des Kurdischen Kulturkreises Dipl.-Soz.-Pädagogin Medina Atalan, erklärte: „Mit Ihrem Courage haben sie heute ein Zeichen für Mut und Toleranz gesetzt. Lingen kann sehr stolz sein, denn wir brauchen keine Angst vor Überfremdung haben, weil jeder von uns ein Fremder ist, und sei es manchmal vor sich selbst. Weltweit sind millionen Menschen auf der Flucht. Der Großteil lebt als Vertriebene im eigenen Land. Oftmals sind sie vor Konflikten und Gewalt geflohen und mussten alles zurücklassen: Angehörige, ihren Besitzt, ihren Alltag, und damit die Möglichkeit, selbst für sich zu sorgen und ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Daher sind sie oft vollständig darauf angewiesen, humanitäre Hilfe zu erhalten. Wenn wir hier in Deutschland und Lingen Flüchtlinge aufnehmen, ist es im Großen und Ganzen ein Tropfen auf den heißen Stein, aber für die einzelnen Menschen, die hier sind, ihre Lebensrettung. Ich will Leben retten, denn auch ich will gerettet werden.

„Der Islam darf einer kleinen aggressiven Gruppe nicht überlassen werden, während die Mehrheit den Terror ablehnt. Daher möchten wir alle Muslime ermutigen, sowohl nach innen als auch nach außen ein friedliches Signal zu setzten. Stehen wir weiterhin allen, die uns Angst machen wollen, mutig gegenüber und sagen ganz laut und deutlich „die Würde des Menschen ist unantastbar“

Dipl.-Soz.-Pädagogin Medina Atalan dankte den Menschen, die mit ihrer Courage ein Zeichen für Mut und Toleranz gesetzt haben.

Lingen Demo gegen Pegida Bewegung 22

(Gefällt mir = lesenswerter Artikel)

Tagged . Bookmark the permalink.

Comments are closed.