Gäste aus der Ukraine sind von Menschlichkeit beeindruck

Freundeskreis „Ukrainefahrer“ ist für weitere Hilfe hoch motiviert Großer Dank für alle Unterstützer der UkrainehilfeSeit Freitag, dem 7. Mai, weilten Pädagogin Anja Usik und Bürgermeister Mykhaylo Kuntran (beide Juskovzy), die Leiterinn des Roten Kreuzes in Ternopol, Olexandra Bryhadyr, und die Leiterinn des Roten Kreuzes in Lanovzy, Larysa Mysiuk, in Lingen. Sie waren auf Einladung des DRK, der Stadtverwaltung und der „Ukrainefahrer“ gekommen, um sich ein Bild von der Hilfebereitschaft zu machen, die seit 1991 ihren Lauf genommen hat.

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Lingen. Auftakt der Welle der Hilfsbereitschaft mit jährlichen Hilfsgütertransporten war der Besuch von Wasili Ratuschko und Prokopij Feodosewitsch Schafaruk aus Juskovzy in der Westukraine. Sie waren unter den 20 Männern aus Juskovzy, die wie 262 Fremd- und Zwangsarbeiter sowie 247 Kriegsgefangene von 1940 bis 1945 im ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) arbeiten mussten. An der heutigen Halle IV erinnert ein Ehrenmal an sie. Alle, die den Krieg überlebt hatten, waren 1945 teilweise in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Der Vater von Heinz Peters war damals Werkmeister im RAW und hatte sich besonders um Wasili und Prokop, die er Franz und Marian nannte, mit Familienanschluss gekümmert. Ab 1945 hatten die beiden ständigen Briefkontrakt mit Familie Peters. Später äußerten Franz und Marian auch den Wunsch, einmal Lingen widerzusehen. Dieses Anliegen hatte Cilli Peters, die Frau von Heinz, die in der Stadtverwaltung arbeitete, an den damaligen Oberstadtdirektor Karl-Heinz Verhing herangetragen. Die Verwaltungsspitze hatte spontan Franz und Marian eingeladen, die am 24. Juni 1991 in Begleitung von Prokops Nichte Natailia und ihrem Mann Viktor Maximljuk am Bahnhof eintrafen.

Lingen Ukraine Zwangsarbeiter 24 06 1991  1

Foto: Anja Usik, Olexandra Bryhadyr (v. rechts), Mykhaylo Kuntran und Larysa Mysiuk (v. links) dankten Herman Lindwehr von den „Ukrainefahrern“ der sie mit Hinrikus Ude zum Busbahnhof nach Bielefeld gefahren hat.

Noch im selben Jahr erfolgte der erste Hilfsgütertransport nach Juskovzy unter der Regie des DRK. Im Laufe der Jahre entstand der Freundeskreis „Ukrainefahr“. Die Männer opfern gern ihre Zeit, um die Menschen in Juskovzy und dem für diese Region zuständigen Ukrainischen Roten Kreuz mit wichtigen, gespendeten Dingen wie Kleidung, Krankenhaus- und Sanitätsbedarf sowie für das tägliche Leben, die bei uns selbstverständlich sind, zu versorgen. Am letzten Donnerstag, 7. Mai, trafen die ukrainischen Gäste nach 24-stündiger Busfahrt in Lingen ein. Im Hotel Hubertushof gab es eine kleine Wiedersehensfeier mit dem Freundeskreis „Ukrainefahrer“. Am 8. Mai nahmen Anja Usik, Olexandra Bryhadyr, Larysa Mysiuk und Mykhaylo Kuntran an der Gedenkfeiert „70 Jahre nach Kriegsende“ teil. Am Denkmal für die Zwangsarbeiter an der Halle IV erklärte Dolmetscherin Anja Usik für die Delegation: „Wir sind überwältigt von der Hilfsbereitschaft, die uns aus Lingen widerfährt. Wir freuen uns, dass es hier so viele gute Menschen gibt, die uns in unserer sehr schwierigen Situation in unserer Heimat helfen.“

Der Freundeskreis hatte für die Gäste aus der Ukraine ein abwechslungsreiches Programm arrangiert. Dazu zählte der Besuch des Wasserturms, ein Empfang bei OB Dieter Krone, der Besuch des Schützenfestes in Holthausen, des DRK in Elbergen und Lingen, Emsflower in Emsbüren oder eine Schiffsreise auf dem Kanal und der Ems. Tränen gab es bei dem Besuch des Grabes von Karl-Joseph Lange in Salzbergen, dem Motor der Ukrainehilfe, der im letzten Jahr gestorben ist.Anja Usik und Olexandra Bryhadyr (v. links) waren von den schönen Gärten beeindruckt

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Foto: Anja Usik und Olexandra Bryhadyr (v. links) waren von den schönen Gärten beeindruckt

Den letzten Abend verbrachten die Gäste mit dem Freundeskreis, um ein kleines Resümee zu halten. Dabei sagten Anja, Olexandra, Larysa und Mykhaylo: „Wir danken recht herzlich für die gute Zusammenarbeit. Wir sind dank euch in der glücklichen Lage, ein Haus und eine Sozialstation zu haben, in dem die Menschen, die auf einer Fläche von 270 Quadratkilometern leben, medizinisch versorgt werden können. Ihr habt auch sehr viel für unser Krankenhaus, Altenheim, sowie unsere Schule und dem Kindergarten bewegt. Dank eurer Hilfe, die durch die materiellen und finanziellen Spenden vieler Menschen aus Lingen und Umgebung möglich ist, hat sich unser Leben etwas verbessert.“

Anja, Olexandra, Larysa und Mykhaylo sagten dankbar: „Ihr habt so vielen Menschen geholfen. Vielleicht ist es auch weiterhin hin möglich. Wir haben euch in unsere Herzen geschlossen“, übersetzte Anja, die Betonte: „Du bist viel glücklicher, wenn du etwas geben kannst. Wir geben nicht auf und wollen mit eurer Hilfe dafür arbeiten, dass es in der Ukraine, unserer Heimat, wieder besser wird.“ Am 11. Mai haben die „Ukrainefahrer“ Anja, Olexandra, Larysa und Mykhaylo nach Bielefeld zum Bahnhof für international verkehrende Busse gefahren. Mit Abschiedstränen in den Augen und vielen guten Erfahrungen im Herzen ging es zurück in die Heimat. Am 12. Mai erreichte die „Ukrainefahrer“ die E-Mail von Anja, in der sie mitteilte, dass sie nach 25 Stunden Fahrt heil wieder zu Hause angekommen waren.

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Anja Usik, Olexandra Bryhadyr (v. rechts), Mykhaylo Kuntran und Larysa Mysiuk (v. links) dankten Herman Lindwehr von den „Ukrainefahrern“ der sie mit Hinrikus Ude zum Busbahnhof nach Bielefeld gefahren hat.

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