Bahnumfeld trifft sich in Rheine: Lösungsansätze für SPNV-Verbesserungen und Reaktivierung Rheine–Spelle diskutiert

 

Rheine– Auf Einladung der EWG Rheine trafen sich zahlreiche Fachleute aus dem Bahnumfeld im Rathaus Rheine zum „Runden Tisch“. Vertreten waren Akteure aus Wirtschaft, WLE/RVM, Stadt Rheine, Samtgemeinde Spelle, DB InfraGO, NWL, LNVG, dem Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, dem niedersächsischen Wirtschaftsministerium, dem Kreis Steinfurt, aus dem Gutachterumfeld sowie aus der Lokalpolitik. Ziel des Austauschs war es, die geplanten Angebotsverbesserungen im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) einschließlich der Reaktivierungsbestrebungen auf der Strecke Rheine–Spelle, den erwarteten Hochlauf im Güterverkehr in der Region sowie die daraus resultierenden Anforderungen an die Schieneninfrastruktur zu bewerten und gemeinsame Lösungsansätze zu entwickeln.

Zum Auftakt hob Bürgermeister Dr. Peter Lüttmann die Bedeutung des Themas für den Standort Rheine hervor. Er verwies darauf, dass Rheine seit 1856 ein bedeutender Bahnstandort ist und bis heute eine wichtige Funktion im Nord-Süd- sowie im West-Ost- Verkehr erfüllt. Zugleich machte er deutlich, dass zwar bereits Projekte zur Attraktivierung des Bahnhofsgebäudes und des Bahnhofsumfelds laufen, die Kapazitätsfrage im Bahnhof

Rheine selbst jedoch ebenfalls zunehmend an Bedeutung gewinnt. Ingo Niehaus, Geschäftsführer der EWG Rheine, betonte in seiner Begrüßung, dass es Aufgabe der Wirtschaftsförderung sei, die Bedarfe der Unternehmen frühzeitig aufzunehmen und für die wirtschaftliche Zukunft des Standorts in den richtigen Zusammenhang zu bringen. Die mögliche Reaktivierung der Strecke Rheine–Spelle sei dabei zu begrüßen. Entscheidend sei jedoch, die Entwicklung der Schieneninfrastruktur insgesamt in den Blick zu nehmen. Nachhaltige Lösungen könnten nur gelingen, wenn Güterverkehr und SPNV gemeinsam gedacht und aufeinander abgestimmt weiterentwickelt werden.

Im fachlichen Teil stellte ein von der Firma VEGA aus Rheine beauftragter Gutachter seine Erkenntnisse zur heutigen Situation vor. Deutlich wurde, dass bereits im laufenden Betrieb erste Engpässe im Bahnhof Rheine und auf der Relation Rheine–Spelle bestehen.

Zugleich machten Vertreter der Wirtschaft – die Hemelter Mühle mit Standorten im Speller Hafen und in Rheine sowie die Firma VEGA als Eigentümerin der KLV-Anlage im GVZ Rheine – eindrucksvoll deutlich, dass weitere Verkehrssteigerungen im Güterverkehr in der Region absehbar sind. Im GVZ Rheine und im Umfeld des Hafens Spelle-Venhaus wurden bereit erhebliche öffentliche und private Investitionen im zweistelligen Millionenbereich getätigt. Weitere Investitionen sind konkret geplant: Genannt wurden unter anderem der Ausbau von Terminals, Gleisanschlüssen, Rangier- und Abstellmöglichkeiten sowie zusätzliche Verkehre infolge von Unternehmensansiedlungen und Standorterweiterungen. Einigkeit bestand deshalb darin, dass der Hochlauf im Güterverkehr und die geplanten Verbesserungen im SPNV nur mit einer leistungsfähigen Schieneninfrastruktur im Knoten Rheine verlässlich abgebildet werden können.

Diskutiert wurden mehrere Lösungsvarianten für den Bahnhof Rheine. Dazu zählten unter anderem die Anbindung von Gleis 7, die Reaktivierung von Gleis 9, eine erweiterte Variante mit Gleis 9 und zusätzlicher Brückenlösung sowie ein zusätzliches Auszieh- und Pufferungsgleis 105. Ergänzend wurden betriebliche und organisatorische Maßnahmen erörtert, die kurzfristig zu einer Entlastung beitragen könnten.

Im Mittelpunkt des weiteren Vorgehens steht nun eine EBWU, also eine eisenbahnbetriebswissenschaftliche Untersuchung, die noch in diesem Jahr vorliegen soll.

Ziel ist eine kapazitive und qualitative Bewertung der Entwicklungsperspektiven. Im Ergebnis soll die Untersuchung als fachliche Grundlage für den möglichen Ausbaubedarf im Knoten Rheine für den Entwicklungshorizont 2030+ dienen. Ausdrücklich betont wurde, dass die Anforderungen von SPNV und Güterverkehr gemeinsam zu berücksichtigen sind. Die Beauftragung der Untersuchung soll durch die Aufgabenträger im SPNV, dem NWL und der LNVG gemeinschaftlich erfolgen, um die nordrheinwestfälischen und die niedersächsischen Interessen vollumfänglich zu berücksichtigen.

Als besondere Herausforderung wurden zudem die kurzfristigen Bedarfe im Güterverkehr identifiziert. Für notwendige Planungsaufträge und die angestrebte Umsetzung stehen bislang vielfach keine passenden Finanzierungsinstrumente zur Verfügung. Einig waren sich die Beteiligten deshalb darin, dass hierfür auch politische Unterstützung erforderlich ist.

Parallel zur EBWU wurden daher Prüfaufträge mit kürzerem Zeithorizont zunächst für ein zusätzliches Auszieh- und Pufferungsgleis 105 vereinbart. Ein Folgetermin in ähnlicher Zusammensetzung wurde bereits für Ende des Jahres verabredet.

Niehaus resümierte zum Abschluss: „Der Runde Tisch hat gezeigt, dass bei allen Beteiligten ein großes gemeinsames Interesse besteht, tragfähige Lösungen für den Schienenstandort Rheine zu entwickeln. Der Austausch war durchweg konstruktiv, offen und lösungsorientiert. Gleichzeitig ist deutlich geworden, wie komplex die Anforderungen im Zusammenspiel von SPNV, Güterverkehr, Infrastruktur, Planung und Finanzierung sind. Um den gewünschten Ausbau tatsächlich zu erreichen, wird es in den kommenden Jahren erhebliche Anstrengungen, einen langen Atem, politische Unterstützung und ein eng abgestimmtes Vorgehen aller Akteure brauchen.“

 

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