Artikel vom 30. Januar 2026
“Hallo ich bin Juan! Der neue Mexikaner.” Mit diesem Spruch stellt sich Juan Carlos Hernandez Rodriguez vor. Er arbeitet seit Dezember 2025 in der Physiotherapiepraxis von Maria Altevolmer und ihrem Sohn Max in Salzbergen.

Arbeitskollegen und Freunde sind bereits Max Altvolmer und Juan Carlos Hernandez Rodriguez
Schon nach wenigen Wochen im Emsland steht für den 34-jährigen Physiotherapeuten fest: “Ich will hier für immer bleiben.” Dabei darf er bislang nur als Hilfskraft unter Aufsicht von Max (26) oder Maria (60) arbeiten. Trotz seiner insgesamt fünfeinhalbjährigen, größtenteils universitären Ausbildung, und sogar eigener Praxis in Mexiko kann es noch etliche Monate dauern, bis die deutschen Behörden ihm über den “Defizitbescheid” die Berufsanerkennung gewähren. Dies ist umso bedauerlicher, als in Deutschland zurzeit etwa 60.000 Physiotherapeuten fehlen, und die Patienten überall lange Wartezeiten in Kauf nehmen müssen.
“Juan überrascht uns immer wieder mit seinen praktischen, aber auch fachlichen und medizinischen Kenntnissen”, sagt Max Altevolmer. So würde zum Beispiel die USA Juan sofort als Physiotherapeut arbeiten lassen. „Bei uns erhält er aber immerhin das normale Gehalt eines Physiotherapeuten”, sagt sein Vorgesetzter und Freund.
Dass der 34-Jährige überhaupt den Weg nach Salzbergen gefunden hat, verdankt er der Wachstumsregion Ems-Achse und der Agentur für Arbeit. Seit Oktober 2025 leitet Stephanie Leigers von der Ems-Achse den Hub Mexiko kofinanziert von der Europäischen Union und bietet u. a. auch Beratungen für interessierte Unternehmer, die Fachkräfte aus Mexiko anwerben möchten an. Leigers lebte viele Jahre in Mexiko und unterstützt in Mexiko das Recruiting und in der Region die Integration und natürlich die arbeits- und aufenthaltsrechtlichen Dokumente. “Eine wichtige Voraussetzung sind die Deutschkenntnisse der zukünftigen Fachkräfte”, sagt die gebürtige Emsländerin.
Juan Carlos spricht nicht nur hervorragend Deutsch, sondern verfügt über weitere Sprachkenntnisse, u.a. außer seiner Muttersprache Spanisch auch Italienisch, Portugiesisch und Englisch. “Wir nutzen ihn sogar als Dolmetscher”, so Max in einem Pressegespräch.
Zudem kennt sich der 34-jährige Mexikaner gerade mit chirurgischen und orthopädischen Problemen bei Sportlern aus. So behandelte er als Physiotherapeut über Jahre Profifußballer eines mexikanischen Proficlubs in der 2.Liga. “Ich habe weitere Spitzenathleten wie Teak Won Do-Sportler oder Schwimmer behandelt”, sagt der Mann aus der Stadt Cuautla im mexikanischen Bundesstaat Morelos.
Die Physiopraxis aus Salzbergen wurde über die Wachstumsregion Ems-Achse auf ein Projekt aufmerksam, dass diese gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen Sabine Poker und Marietta Vügten von der Agentur für Arbeit Lingen durchführt hat. Während einer Informationsveranstaltung Anfang 2025 in der Arbeitsagentur Nordhorn stellten sie das Programm und einige mexikanische Therapeuten vor. Danach konnten die deutschen Praxen sich bei möglichen Kandidaten im Gegenzug bewerben und die Mexikaner trafen ihre Entscheidung, zu welchem Physiotherapeuten sie gerne gehen würden.
Nicht zuletzt aufgrund der “familiären Verhältnisse” entschied sich Juan Carlos für die Salzbergener Praxis, die von Mutter und Sohn geleitet wird. “Ich hatte in Mexiko seit 2018 eine eigene Praxis.” Dort werde einem das Berufsleben aber nicht zuletzt durch Schutzgeldzahlungen sehr erschwert. “Ich habe im Monat 1000 Euro an das Kartell abgegeben.” Entweder zahle man mit Geld oder mit Blut.
Juan suchte eine neue Herausforderung und erfuhr über Freunde von den Möglichkeiten in Deutschland. Die Familie Altevolmer besorgte ihm ortsnah eine Wohnung und natürlich ein Fahrrad. Weihnachten und Silvester wurden zusammen gefeiert. Der 34-Jährige hat den Schritt bislang nicht bereut und “will auf jeden Fall in Deutschland bleiben”.
“Die Deutschen sind toll und freundlich.” Zudem fühle er sich hier sicher und könne endlich ohne Angst abends im Dunklen über die Straße gehen. Selbst das Essen und besonders die Brötchen seien lecker. Zudem kickt der begeisterte Fußballer bereits beim SV Alemannia Salzbergen mit.
Etwas Heimweh hat er dann doch: “Ich mache täglich Facetime mit meiner 77-jährigen Mutter und meinem 82-jährigen Vater.”
Eine langfristig berufliche, aber auch private Perspektive in Deutschland ist auch das Ziel von Francisco Rosas. Der ebenfalls 34-jährige Mexikaner ist wie Juan Carlos ebenfalls dank der Vermittlung der Wachstumsregion Ems-Achse und Agentur für Arbeit ins Emsland gekommen. Er arbeitet seit November 2025 ebenfalls zuerst “Hilfskraft” bei der Praxis für Physiotherapie Dieter Muldbücker in Spelle. Dabei gibt es hier dieselben Probleme wie in Salzbergen: auch Jutta und Dieter Muldbücker sowie Sohn Felix können die sehr gut ausgebildete Fachkraft aus Mexiko noch nicht selbstständig als Physiotherapeut einsetzen, da die offizielle Berufsanerkennung seitens der deutschen Behörden noch fehlt.
Die Praxis Muldbücker hat jedoch nicht nur Francisco eingestellt, sondern zusätzlich noch die 31-jährige mexikanische Physiotherapeutin Fernanda Gallegos. Sie hat im Oktober 2025 mit ihrem Ehemann Silvestre Flores den mutigen Schritt von Mexiko ins Emsland gewagt. Silvestre ist ebenfalls Physiotherapeut. Während Fernanda das Praxis-Team bereits tatkräftig unterstützt, muss ihr Ehemann auf einer Sprachschule in Lingen noch die deutsche Sprache erlernen.
Mit der hat speziell Francisco kaum Probleme. “Ich grüße sogar schon die Menschen auf der Straße mit “Moin”, sagt er im Pressegespräch. Überhaupt seien die Menschen sehr nett. Weihnachten haben sie auf Einladung bei der Familie Muldbücker gefeiert. Auch in Spelle geht es sehr familiär zu. Francisco ist begeisterter Fußballer und wird schon bald beim SC Spelle-Venhaus mittrainieren.
Einen großen Wunsch hat der 34-Jährige noch: “Ich hoffe, dass dieses Jahr meine Familie ebenfalls nach Deutsch kommen kann.” So starten seine Ehefrau und drei Jungen in der kommenden Woche in Mexiko einen Sprachkurs in Deutsch. Voller Stolz berichtet er von seinem elfjährigen Sohn und den beiden neunjährigen Zwillingen.
Jutta und Dieter Muldbücker sind trotz anfänglicher Skepsis sehr froh, dass sie die drei neuen Mitarbeiter aus Mexiko für ihr Team gewinnen konnten. Sie seien fachlich und menschlich eine große Bereicherung.

Über ihre neuen Mitarbeiter (von links), Fernanda Gallegos und Francisco freuten sich Felix (ganz links) und Jutta Muldbücker (ganz rechts). Foto: Wachstumsregion Ems-Achse.
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