Neue Hollandgänger-Ausstellung im Schepsdorfer Heimathaus Arbeiten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang

Im 18. und zu Beginn des 19 Jahrhunderts zogen die sogenannten „Hollandgänger“ durch Lingens Ortsteil Schepsdorf, um in den Niederlanden aber auch in Flandern sowie Nord- und Ostfriesland“ ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dies führte in Schepsdorf zu einem regen Wirtschaftsleben. Einen detaillierten Lebens- und Leidensweg der Hollandgänger zeigt die neue „Ausstellung“ im Heimathaus.

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(v. rechts) Ortsbürgermeister Peter Scholz überreichte als passsendes Geschenk ein Bild, dass das alte Schepsdorf zu Zeiten des Fährübergangs an der Ems zeigt.

Lingen. Der Vorsitzende des Heimatvereins Wilhelm Terhorst, der Leiter des Emslandmuseums Dr. Andreas Eiynck sowie Museumswissenschaftler Johannes Kiebler führten in die Ausstellung ein. Lingen Erstes Bürgermeister Heinz Tellmann betonte wie Ortsbürgermeister Peter Scholz: „Diese Ausstellung über die Hollandgänger leistet einen wichtigen Beitrag zur Geschichte Lingens und Schepsdorfs.“

„Durch Szenen aus dem Alltag unserer arbeitssuchenden Vorfahren möchten wir mit der Ausstellung Einblicke in den geschichtlichen Hintergrund vermitteln“, erklärte Johannes Kiebler, der in acht Monaten den Leidens- und Lebensweg der Hollandgänger erforscht hat, um die Galerie im Heimathaus nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu präsentieren.

Kiebler erklärte den Gästen während der Ausstellungseröffnung, dass sich der Hollandgang erstmals in der Zeit um 1620 und dann durchgängig bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts nachweisen lasse. Die Niederlande hätten sich ab ca. 1580 zur führenden See- und Handelsmacht in Europa entwickelt. Daher wurden viele Arbeitskräfte, besonders als Saisonarbeiter benötigt.

„Die Hollandgänger waren hauptsächlich als Heuerleute besitzlose Landarbeiter, die auf einen Zuverdienst angewiesen waren. Sie zogen zwischen Aussaat und Ernte als Wanderarbeiter in die Niederlande. Ebenso waren unter ihnen Handwerker, Knechte und Bauernsöhne zu finden. Sie fanden Arbeit als Grasmäher in der Landwirtschaft, als Torfgräber und Gärtner, als Seeleute beim Herings- und Walfang sowie auf den Handelsschiffen der Vereinigten Ostindischen Kompagnie (VOC).“

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Die Frauen verdienten ihr Geld sich als die Mägde, Dienstmädchen oder Arbeiterinnen in den Leinenbleichereien.

Auch im handwerklichen Bereich gab es Beschäftigung für Ziegelmacher, Stuckateure, Maurer oder Zimmerleute. Andere zogen als Soldaten in die Niederlande, wo die Mägde ihr Geld als Dienstmädchen oder Arbeiterinnen in den Leinenbleichereien verdienten. So konnten sie innerhalb weniger Monate genug erarbeiten, um die Pacht zu bezahlen und über den Winter zu kommen.

Die Akkordarbeit sei außerordentlich beschwerlich gewesen und habe von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, im Juni also bis zu 16 Stunden gedauert. „Die noch anstrengendere Arbeit der Torfstecher ist größtenteils in abgelegenen Gebieten erfolgt, wo man sich nur schlecht verpflegen konnte, unzureichende Unterkünfte zur Verfügung standen und mangelhaft hygienische Bedingungen herrschten. Die Löhne wurden erst zur Mitte der Saison ausgehandelt und zum Saisonende ausbezahlt“, berichtete Kiebler

Die Hollandgänger hätten aus Ersparnisgründen möglichst viele und lange haltbare Nahrungsmittel – Buchweizen, gekochte Eier und kalorienreichen Räucherspeck – aus der Heimat mitgenommen. Da während der Saison oft die Zeit für eine ordentliche Zubereitung der Mahlzeiten gefehlt habe, sei eine ungesunde, einseitige Ernährung bei stärkster körperlicher Belastung die Folge gewesen.

Viele Relikte aus dieser Zeig zählen zu der Sammlung, die Johannes Kiebler mit Unterstützung des Emslandmuseum, Heimatvereins und Kunstmaler Wolfgang Tautz aus Lohne aufgebaut hat. Am Dorfbrunnen in Schepsdorf, unweit des alten Emsübergangs, erinnert eine Bronzetafel an die alljährlichen Durchzüge der Hollandgänger.

Die Ausstellung kann nach Anmeldung bei Willi Terhorst, Telefon (0591) 485 68 oder per E-Mail: wilhelm.terhorst2@ewetel.net in Augenschein genommen werden.

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