Spelle: Elektromeister Andreas Reimer aus Spelle schildert einen aktuellen Einsatz, der beispielhaft zeigt, wie Verbraucher in Notlagen Opfer unseriöser Notdienste werden können.
„Ich wurde kürzlich zu einer Familie hier in Spelle gerufen, die sich in einer potenziell lebensgefährlichen Situation befand“, berichtet der Elektromeister. „Im Hausanschlusskasten war der Neutralleiter abgebrannt, wodurch es zu einer sogenannten Sternpunktverschiebung kam. Statt der üblichen 230 Volt lagen plötzlich bis zu 400 Volt an den Steckdosen an. Eine solche Überspannung kann innerhalb kürzester Zeit Elektrogeräte zerstören und im schlimmsten Fall einen Brand verursachen.“
Besonders erschütternd sei gewesen, dass zuvor bereits ein angeblicher „Notdienst“ vor Ort war. „Ein Blick auf die Rechnung Nr. 2026270 hat mich sprachlos gemacht. Statt eines Elektro-Fachbetriebs erschien ein Hausmeisterservice aus Oberhausen – aber auf dem Kennzeichen des Mitarbeiters stand ST für Kreis Steinfurt wie der Kunde mitteilte also kein regionaler Meisterbetrieb. In der Rechnung wurde sogar von ‚400W‘ statt korrekt von 400 Volt gesprochen. Das ist ein grundlegender fachlicher Fehler und zeigt, dass hier offenbar kein qualifizierter Elektriker gearbeitet hat.“
Auch die Kosten seien aus Sicht des Fachmanns nicht nachvollziehbar gewesen. „Für das bloße Herausdrehen von Sicherungen wurden insgesamt 414,12 € berechnet, davon allein 199,00 € netto für die angebliche Überprüfung einer Panzersicherung.

Trotz dieser hohen Zahlung blieb der Kunde ohne funktionierende Stromversorgung zurück und erhielt lediglich den Hinweis, nun einen Meisterbetrieb zu kontaktieren.“
Der Elektromeister warnt daher eindringlich vor unseriösen Notdienst-Anbietern: „Gerade in Notsituationen suchen viele Menschen schnell im Internet nach Hilfe. Dabei erscheinen häufig zuerst Anzeigen von Firmen, die gar nicht aus der Region stammen, sondern gezielt für solche Notfälle werben. Verbraucher sollten deshalb immer einen Blick in das Impressum werfen, um zu prüfen, wo der Betrieb tatsächlich ansässig ist. Ein seriöser Notdienst kommt in der Regel aus der näheren Umgebung.“
Zudem rät der Fachmann, genau auf die Qualifikation des Anbieters zu achten: „Arbeiten an der Elektroanlage, insbesondere am Hausanschluss, dürfen nur von eingetragenen Fachbetrieben durchgeführt werden. Ein Hausmeisterservice ist dafür in der Regel weder ausgebildet noch versichert. Auch Bewertungen im Internet sollten kritisch geprüft werden, da ungewöhnlich viele Bestbewertungen in kurzer Zeit ein Hinweis auf Manipulation sein können.“
Ein weiterer wichtiger Punkt sei der Umgang mit der Bezahlung: „Unseriöse Anbieter verlangen oft sofortige Zahlung vor Ort. Kunden sollten sich nicht unter Druck setzen lassen und immer auf eine ordentliche Rechnung mit ausgewiesener Umsatzsteuer und vollständigen Kontaktdaten bestehen.“
Sein abschließender Rat: „Speichern Sie sich am besten schon vor einem Notfall die Telefonnummer eines regionalen Elektrikers in Ihrem Handy ab. So vermeiden Sie, in einer Stresssituation vorschnell einen unseriösen Anbieter zu beauftragen. Regionale Meisterbetriebe stehen für fachgerechte Arbeit, transparente Preise und vor allem für Sicherheit.“
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