Hochwasser in Lingen nimmt bedrohliche Ausmaße an Polizei, Einsatzkräfte und Betroffenen sind sauer auf Gaffer


Seit mehr als zwei Wochen steigt rund um Lingen der Wasserpegel der Ems sowie der von kleineren Flüssen, Bächen und Gräben. Seit Weihnachten seit mehr als 300 Einsatzkräfte der Feuerwehr, des THW, der DLRG, des DRK, der Polizei, der Stadtentwässerung sowie des Bauhofes im Einsatz. Eine Besserung des Hochwasserstandes wird erst erwartet, wenn die Ems im Kreis Steinfurt sinkt.


Lingen. Die Hochwasserlage rund um die Emsstadt ist angespannt. So rechnet die untere Wasserbehörde damit, dass die Pegelstände der Ems in den nächsten 24 Stunden weiter steigen würden. Die Deiche würden rund um die Uhr kontrolliert und weitere Sandsäcke gefüllt, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein.  

Auch für Oberbürgermeister Dieter Krone sei es kein normales Weihnachtsfest gewesen, zumal er immer an die Einsatzkräfte habe denken müssen, die anstatt unter dem Weihnachtsbaum mit ihren Familien zu feiern, ehrenamtlich den Schutz der Bevölkerung übernommen hätten, um Häuser, Deiche und Uferbereiche zu sichern. „Sie alle leisten wirklich Außergewöhnliches – dafür gilt allen mein herzlichster Dank.“
 
Wie Krone erklärte, sei bereits am ersten Weihnachtsfeiertag hinsichtlich der steigenden Pegelstände der Hochwasserstab der Stadt Lingen für außergewöhnliche Ereignisse (SAE) einberufen worden. Unter anderem seien 62 Bewohnerinnen und Bewohner des Campingplatzes am Ausflugsziel Hanekenfähr evakuiert worden. Von den Wassermassen waren auch in den Ortsteilen Darme, Biene, Holthausen Reuschberge, Schepsdorf und Wachendorf mehre Wohngebiete betroffen.

In Hanekenfähr sind weiterhin Wochenendhäuser vom Wasser bedroht. Das Wehr, über das die Ems über fünf Meter tief fällt, ist nicht mehr zu sehen. Davon verschaffte sich von einem sicheren Punkt am Hotel Am Wasserfall aus die Lingenerin Juliane Seeker mit ihrem Mann und zwei Kindern einen Überblick und meinte: „So ein katastrophales Hochwasser habe ich noch nie erlebt.“


Die Sperrtore in Lingen-Darme im Dortmund-Ems-Kanal sind geschlossen, damit die Wassermassen der Ems nicht in den Kanal drücken. Nicht nur in Lingen-Schepsdorf beklagte sich eine Anwohnerin der Herzforder Straße, deren Wiesen unter Wasser stehen. Sie sei entsetzt über die Dreistigkeiten einiger Unvernünftiger, die sogar nachts auf ihr Grundstück fahren würden, um das Hochwassergeschehen aus nächster Nähe zu betrachten.

Oberbürgermeister Krone warnt und appelliert: „Folgen Sie den Anordnungen der Ordnungskräfte und bereiteten sie sich auf mögliche Evakuierungen vor. In diesen Tagen ist besonders Nachbarschaftshilfe gefragt. Bitte unterstützen Sie sich gegenseitig und entlasten Sie so die Hilfskräfte! Mehr als 20 Straßen sind im gesamten Stadtgebiet gesperrt. Es ist absolut wichtig, dass sich auch alle an diese Absperrungen halten! Fahren Sie nicht in überspülte Straßen und bleiben Sie von den Deichen weg. Es droht akute Lebensgefahr. Denn die Deiche sind teilweise bereits aufgeweicht, so dass sie nicht mehr betreten werden dürfen.“

Die Stadt Lingen hat ein Bürgertelefon eingerichtet, dass unter der Nummer (0591) 9144-999 zu erreichen ist. Von dort ist zu erfahren, dass die Pegel der Ems derzeit stabil seien. Am Donnerstag, 28. Dezember 2023, war in Lingen-Darme der Pegel mit 6,94 Metern gleichbleibend. Den aktuellen Hochwasserstand kann man unter https://www.pegelonline.nlwkn.niedersachsen.de/Messwerte abrufen.

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